Berufsprofil · Therapie
Ergotherapeutin / Ergotherapeut. Aufgaben, Ausbildung, Gehalt.
Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten unterstützen Menschen dabei, Alltag, Beruf, Schule und Freizeit trotz Krankheit oder Behinderung möglichst selbstständig zu bewältigen – mit gezielten Aktivitäten, Training, Hilfsmitteln und Beratung, meist auf ärztliche Verordnung. Der Beruf wird in einer dreijährigen Ausbildung an einer Schule für Ergotherapeuten oder in einem Studium erlernt und endet mit der staatlichen Prüfung nach dem ErgThG.
- Ausbildung
- 3 Jahre, schulischBerufsfachschule oder Hochschule
- Zugang
- Mittlerer Schulabschlussoder Hauptschule plus zweijährige Ausbildung
- Abschluss
- Staatliche PrüfungErlaubnis zur Berufsbezeichnung (ErgThG)
- Kosten
- Schulgeld je nach Landkein gesetzlicher Vergütungsanspruch
- Mittleres Entgelt
- 3.695 €brutto im Monat, Vollzeit, Ende 2025
- Arbeitsmarkt
- EngpassberufEngpassanalyse 2025 der BA
Stand: 22. Oktober 2026 · alle Angaben mit Quellen

Überblick
Der Beruf im Überblick
Ergotherapie setzt dort an, wo Krankheit oder Behinderung alltägliche Handlungen erschwert – in Praxis, Klinik, Psychiatrie, Rehabilitation und Einrichtungen der Teilhabe.
Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten unterstützen Menschen jeden Alters, deren Handlungsfähigkeit durch Krankheit, Verletzung oder Behinderung eingeschränkt oder bedroht ist. Ziel ist, dass sie Tätigkeiten in Selbstversorgung, Beruf, Schule und Freizeit möglichst selbstständig ausführen können. Dafür setzt die Ergotherapie gezielte Aktivitäten, Anpassungen der Umwelt und Beratung ein. [6]
Rechtsgrundlage ist das Ergotherapeutengesetz (ErgThG) von 1976 mit der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (ErgThAPrV) von 1999. Die Bezeichnung „Ergotherapeutin“ oder „Ergotherapeut“ darf nur führen, wer eine staatliche Erlaubnis besitzt; wer sie unbefugt führt, handelt ordnungswidrig und kann mit einer Geldbuße bis zu 2.500 € belegt werden. Die frühere Berufsbezeichnung lautete „Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut“; Erlaubnisse nach altem Recht gelten fort. [1, 2]
Typische Einsatzorte
- Ergotherapiepraxen, einschließlich Hausbesuchen bei Patientinnen und Patienten sowie in Pflege- und Betreuungseinrichtungen
- Krankenhäuser, insbesondere psychiatrische, neurologische, geriatrische und pädiatrische Abteilungen
- Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen
- Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Einrichtungen der Eingliederungshilfe
- Schulen, Kitas und Stadtteilzentren
- Betriebliches Gesundheitsmanagement und Job-Coaching
Quelle: DVE-Infoblatt Ausbildung und Beruf [6]
Abgrenzung zu verwandten Berufen
Die Physiotherapie setzt vorrangig an Bewegungsfunktionen wie Beweglichkeit, Kraft und Koordination an; die Ergotherapie fragt, welche Alltagshandlungen dadurch beeinträchtigt sind, und trainiert diese Handlungen selbst – etwa Anziehen, Schreiben oder die Rückkehr an den Arbeitsplatz. Die Logopädie behandelt Störungen von Sprache, Sprechen, Stimme und Schlucken und ist in einem eigenen Gesetz von 1980 geregelt. [3] Mit der Physiotherapie bestehen Überschneidungen etwa in der Neurologie und Handrehabilitation; eine abgeschlossene Physiotherapieausbildung wird auf die Ergotherapieausbildung mit mindestens einem Jahr angerechnet. [1] Ergotherapie ist kein ärztlicher Beruf: Diagnose und Indikation stellen Ärztinnen und Ärzte, für bestimmte psychische Erkrankungen auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. [11]
Was den Beruf ausmacht
Alltag als Therapieziel
Behandelt werden nicht nur Funktionen, sondern deren Auswirkungen auf Aktivitäten und Teilhabe; die Verlaufsdokumentation erfasst beides für jede Behandlungseinheit. [14]
Breites Spektrum an Krankheitsbildern
Der Heilmittelkatalog sieht Ergotherapie bei orthopädischen, neurologischen und psychischen Erkrankungen vor – von der Handverletzung über den Schlaganfall bis zur Demenz. [10]
Handwerk und Hilfsmittel
Handwerkliche und gestalterische Techniken sind mit 500 Stunden das größte Unterrichtsfach; dazu kommen Spiele, Hilfsmittel, Schienen und technische Medien. [2]
Mehr Therapieverantwortung
Bei der Blankoverordnung entscheiden Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten seit April 2024 für ausgewählte Diagnosegruppen selbst über Heilmittel, Menge und Frequenz. [11]
Aufgaben
Aufgaben und Arbeitsalltag
Der Alltag wechselt zwischen Bedarfsanalyse, Einzel- und Gruppentherapie, Hilfsmittelversorgung, Beratung und Dokumentation.
Befund, Planung und Beratung
- Ergotherapeutischen Bedarf analysieren: Unterlagen sichten, Anamnese, Hilfsmittel- und Schienenbedarf prüfen, Assessments auswählen
- Therapieziele mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen vereinbaren und den Behandlungsplan erstellen
- Wohnumfeld und soziales Umfeld analysieren und notwendige Anpassungen empfehlen
- Verlauf je Behandlungseinheit dokumentieren und bei Bedarf einen Therapiebericht an die verordnende Person schreiben
Behandlung
- Motorisch-funktionelle und sensomotorisch-perzeptive Behandlung, z. B. Greiffunktion, Feinmotorik, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung
- Hirnleistungstraining bei Störungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Handlungsplanung
- Psychisch-funktionelle Behandlung zur Stabilisierung von Antrieb, Tagesstruktur und sozialer Kompetenz
- Temporäre Schienen anfertigen und anpassen, Wärme- und Kälteanwendungen ergänzend einsetzen
Quelle: Leistungsbeschreibung Ergotherapie zum GKV-Vertrag [14]
Die vier Behandlungsverfahren der Heilmittel-Richtlinie
Zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen Ärztinnen und Ärzte Ergotherapie nach der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Der Heilmittelkatalog ordnet jeder Diagnosegruppe vorrangige Heilmittel und eine Höchstmenge je Verordnung zu – in der Regel bis zu 10 Einheiten, bei den Diagnosegruppen PS2 und PS3 bis zu 20. [9, 10]
| Heilmittel | Ansatz | Regelleistungszeit (davon Therapie) | Typische Diagnosegruppen |
|---|---|---|---|
| Motorisch-funktionelle Behandlung | Beweglichkeit, Kraft, Greif- und Armfunktion und ihre Folgen für Alltagstätigkeiten | 45 Min. (30 Min.) | SB1–SB3, EN1–EN3 |
| Sensomotorisch-perzeptive Behandlung | Sensibilität, Tiefensensibilität, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung, sensorische Integration | 60 Min. (45 Min.) | SB2, SB3, EN1–EN3, PS1 |
| Hirnleistungstraining / neuropsychologisch orientierte Behandlung | Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung und exekutive Funktionen | 45 Min. (mind. 30 Min.) | EN1, PS1, PS3, PS4 |
| Psychisch-funktionelle Behandlung | Psychische, emotionale und psychomotorische Funktionen und ihre Folgen für Alltag und soziales Leben | 75 Min. (60 Min.) | PS1–PS4 |
SB = Erkrankungen der Wirbelsäule, Gelenke und Extremitäten bzw. System- und Autoimmunerkrankungen; EN = Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems; PS = psychische Erkrankungen einschließlich Entwicklungsstörungen und Demenz. Alle Verfahren sind auch als Gruppen- oder Parallelbehandlung möglich. Quellen: Leistungsbeschreibung [14], Vergütungsvereinbarung [15], Heilmittelkatalog [10]
Arbeitsumgebung und Arbeitszeit
In Praxen bestimmt der Terminplan den Tag. Eine Behandlung muss in der Regel innerhalb von 28 Tagen nach Ausstellung der Verordnung beginnen, bei dringlichem Bedarf innerhalb von 14 Tagen, nach einem Krankenhausaufenthalt im Entlassmanagement innerhalb von 7 Tagen. Verordnete Hausbesuche im Umkreis von 10 km um die Praxis sind zu übernehmen. [13] Auch Videotherapie ist möglich: Höchstens 30 % der Behandlungen einer Praxis je Quartal dürfen telemedizinisch erfolgen, der erste Termin findet persönlich statt und die Patientin oder der Patient muss in Textform einwilligen. [13] In Kliniken und Reha-Einrichtungen arbeiten Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in festen Dienstzeiten, häufig mit Gruppenangeboten.
Zusammenarbeit
Enge Schnittstellen bestehen zu verordnenden Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Pflegefachpersonen, Physiotherapie, Logopädie, Psychologie und Sozialarbeit sowie zu Kitas, Schulen und Arbeitgebern. [6]
Belastungen
Die Arbeit verlangt Geduld bei langsamen Fortschritten, eine klare Haltung gegenüber Menschen in psychischen Krisen und den Umgang mit chronischen oder fortschreitenden Erkrankungen. Hinzu kommen Dokumentation, Hausbesuche mit Fahrzeiten und in der Pädiatrie die Abstimmung mit Eltern und Einrichtungen.
Unterschiede nach Einsatzbereich
- Psychiatrie und Psychosomatik
- Psychisch-funktionelle Einzel- und Gruppentherapie, Training von Tagesstruktur, Belastbarkeit und sozialen Fähigkeiten; die Ausbildung sieht dafür einen eigenen Praxisblock von mindestens 400 Stunden vor. [2]
- Neurologie und Geriatrie
- Behandlung nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder bei Parkinson und Demenz: Hirnleistungstraining, Alltagstraining, Hilfsmittelversorgung und Angehörigenberatung. [10]
- Orthopädie und Handtherapie
- Motorisch-funktionelle Behandlung nach Verletzungen und Operationen an Hand und Arm, Anfertigung temporärer Schienen, Gelenkschutz bei rheumatischen Erkrankungen. [14, 10]
- Pädiatrie
- Sensomotorisch-perzeptive und psychisch-funktionelle Behandlung bei Entwicklungs-, Verhaltens- und emotionalen Störungen; bei Erkrankungen des Gehirns (EN1) sind bis zum 18. Lebensjahr bis zu 60 Behandlungseinheiten als orientierende Menge vorgesehen. [10]
Was Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten dürfen – und was nicht
Die Erlaubnis nach dem ErgThG berechtigt zur Führung der Berufsbezeichnung, nicht zur eigenständigen Ausübung der Heilkunde. [1] Zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung wird grundsätzlich auf Verordnung behandelt; abgegeben werden darf nur, was verordnet und in der Leistungsbeschreibung bzw. Heilmittel-Richtlinie beschrieben ist. [13, 9]
Blankoverordnung: Bei der „Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung“ stellt die verordnende Person Diagnose und Indikation; Auswahl, Dauer und Frequenz der Behandlung bestimmen die Therapeutinnen und Therapeuten (§ 125a SGB V). [12] In der Ergotherapie gilt dies seit April 2024 für die Diagnosegruppen PS3 (u. a. Schizophrenie, affektive Störungen, Abhängigkeitserkrankungen) und PS4 (Demenz) – hier dürfen auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten blanko verordnen – sowie SB1 (Erkrankungen von Wirbelsäule, Gelenken und Extremitäten), die nur Ärztinnen und Ärzte blanko verordnen. Die Verordnung gilt höchstens 16 Wochen; die Verantwortung für Art und Menge der Behandlung liegt bei der Praxis. [11] Eine zusätzliche Pauschale für diese besondere Versorgungsverantwortung darf seit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz nicht mehr vereinbart werden; für Versorgungen, die vor dem 30. Juli 2026 begonnen haben, wird sie weiter vergütet. [12]
Direktzugang: Einen Direktzugang zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es nicht; auch bei der Blankoverordnung bleibt eine vertragsärztliche Diagnose Voraussetzung. [12]
Ausbildung
Ausbildung, Studium und Prüfung
Drei Jahre an einer Schule für Ergotherapeuten oder ein Studium, jeweils mit staatlicher Prüfung nach ErgThG und ErgThAPrV.
- Rechtsgrundlage
- Ergotherapeutengesetz (ErgThG) vom 25.05.1976 und Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) vom 02.08.1999. [1, 2]
- Dauer und Umfang
- 3 Jahre mit mindestens 2.700 Stunden theoretischem und praktischem Unterricht und 1.700 Stunden praktischer Ausbildung. [1, 2]
- Lernorte
- Staatlich anerkannte Schulen für Ergotherapeuten in öffentlicher oder privater Trägerschaft; die praktische Ausbildung stellen die Schulen über Vereinbarungen mit Krankenhäusern oder anderen geeigneten Einrichtungen sicher. Die Länder können die Ausbildung auch an Hochschulen ansiedeln (§ 8b ErgThG). [1, 2, 5]
- Zuständige Stelle
- Geprüft wird vor einem staatlichen Prüfungsausschuss; die Erlaubnis erteilt die zuständige Behörde des jeweiligen Landes. [1, 2]
- Abschluss
- Staatliche Prüfung und anschließend die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung. Voraussetzung sind außerdem Zuverlässigkeit, gesundheitliche Eignung und die erforderlichen Deutschkenntnisse (§ 2 ErgThG). [1]
Ausbildungsinhalte
Neben medizinischen Grundlagen nehmen handwerklich-gestalterische Techniken und die ergotherapeutischen Behandlungsverfahren den größten Raum ein. [2]
- Handwerkliche und gestalterische Techniken500 Std.
- Behandlungsverfahren (fünf Fächer à 100 Std.)500 Std.
- Spezielle Krankheitslehre280 Std.
- Psychologie und Pädagogik210 Std.
- Spiele, Hilfsmittel, Schienen und technische Medien200 Std.
- Biologie, Anatomie, Physiologie180 Std.
- Grundlagen der Ergotherapie140 Std.
Die 1.700 Stunden praktische Ausbildung verteilen sich auf den psychosozialen (psychiatrischen und psychosomatischen) Bereich, den motorisch-funktionellen, neurophysiologischen oder neuropsychologischen Bereich und den arbeitstherapeutischen Bereich mit je 400 Stunden sowie 500 frei zu verteilende Stunden. Die Einsätze sollen die Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen, mit Erwachsenen und mit älteren Menschen umfassen; sie finden unter Anleitung von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten statt, im arbeitstherapeutischen Bereich soll dies der Fall sein. [2]
Staatliche Prüfung
- Schriftlicher Teil
Drei Aufsichtsarbeiten von je 180 Minuten an drei Tagen: Krankheitslehre und Grundlagen der Arbeitsmedizin; Psychologie, Pädagogik, Behindertenpädagogik sowie Berufs-, Gesetzes- und Staatskunde; die fünf ergotherapeutischen Behandlungsverfahren. [2]
- Mündlicher Teil
Biologie, Anatomie und Physiologie; Medizinsoziologie und Gerontologie; Grundlagen der Ergotherapie – einzeln oder in Gruppen bis zu fünf Personen, höchstens 15 Minuten je Fach. [2]
- Praktischer Teil 1
Anfertigung eines Werkstücks, einer Schiene, eines Hilfsmittels oder eines anderen therapeutischen Gegenstands nach eigenem Arbeitsplan, mit Analyse der therapeutischen Einsatzmöglichkeit; höchstens 12 Stunden an zwei Tagen. [2]
- Praktischer Teil 2
Befunderhebung, Behandlungsplanung und Behandlung einer Patientin, eines Patienten oder einer Gruppe auf Grundlage eines schriftlichen Prüfungsberichts mit anschließendem Prüfungsgespräch; die Patientinnen und Patienten werden spätestens vier Tage vorher zugewiesen. [2]
- Erlaubnis
Nach bestandener Prüfung erteilt die Landesbehörde auf Antrag die Erlaubnis; erst sie berechtigt zur Führung der Berufsbezeichnung. [1]
Zugangsvoraussetzungen
Gesetzlich verlangt § 4 ErgThG eine abgeschlossene Realschulbildung (mittlerer Schulabschluss) oder eine andere gleichwertige Ausbildung oder eine nach dem Hauptschulabschluss abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer; hinzu kommt die gesundheitliche Eignung für die spätere Erlaubnis. [1] In der Praxis wählen die Schulen nach eigenen Kriterien aus, etwa über ein internes Bewerbungsverfahren, Schulnoten oder ein Vorpraktikum im sozialen oder gesundheitlichen Bereich. [5]
Anrechnung und Verkürzung
- Physiotherapie oder Erziehung: Eine abgeschlossene Ausbildung als Physiotherapeutin, Physiotherapeut, Krankengymnastin, Krankengymnast, Erzieherin oder Erzieher ist mit mindestens einem Jahr anzurechnen. [1]
- Andere Ausbildungen: Die zuständige Behörde kann sie auf Antrag im Umfang ihrer Gleichwertigkeit anrechnen, wenn das Ausbildungsziel nicht gefährdet ist. [1]
- Fehlzeiten: Unterbrechungen durch Krankheit, Schwangerschaft oder andere nicht selbst zu vertretende Gründe werden bis zu insgesamt zwölf Wochen angerechnet. [1]
Schulgeld
Das ErgThG enthält keine Regelung zum Schulgeld. [1] Ob an einer Schule Schulgeld anfällt, hängt vom Träger und davon ab, ob das jeweilige Land die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen fördert; viele Länder haben dafür eigene, teils befristete Programme. Ein Beispiel ist Baden-Württemberg: Private Ersatzschulen erhalten für die Ergotherapie und weitere Gesundheitsfachberufe einen Zuschuss von höchstens 40 € je Schülerin oder Schüler und Monat, Ergänzungsschulen höchstens 140 €, der das Schulgeld entsprechend senken muss; einen Rechtsanspruch gibt es nicht, und die Verwaltungsvorschrift tritt am 31.12.2026 außer Kraft. [8] Finanzielle Unterstützung ist unter anderem über BAföG oder einen Bildungskredit möglich. [5]
Lassen Sie sich die Kosten vor Vertragsabschluss schriftlich bestätigen und fragen Sie bei befristeten Landesprogrammen nach der Regelung für spätere Ausbildungsjahre.
Ausbildungsvergütung
Das ErgThG sieht – anders als das Berufsbildungsgesetz oder das Pflegeberufegesetz – keinen Anspruch auf Ausbildungsvergütung vor. [1] Schulische Ausbildungen werden daher in der Regel nicht vergütet. Eine Ausnahme bilden Ausbildungen bei Arbeitgebern, die unter den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) fallen: Der TVAöD erfasst ausdrücklich Ergotherapieschülerinnen und -schüler und sieht ab dem 1. Mai 2026 monatlich 1.365,24 € im ersten, 1.425,30 € im zweiten und 1.522,03 € im dritten Ausbildungsjahr vor (brutto). [7]
Ergotherapie studieren
Bis Ende 2024 erprobten die Länder die hochschulische Ausbildung über eine befristete Modellklausel; diese ist am 31.12.2024 ausgelaufen. [1, 3] Seit 2025 gilt § 8b ErgThG unbefristet: Die Länder können bestimmen, dass die Ausbildung an Hochschulen stattfindet. Die staatliche Prüfung bleibt Pflicht, kann aber modularisiert und ganz oder teilweise durch Modulprüfungen der Hochschule ersetzt werden. [1] Im Oktober 2026 startete etwa an der Hochschule Furtwangen (Studienzentrum Freiburg) der erste staatliche Bachelorstudiengang Ergotherapie in Baden-Württemberg, der wissenschaftliches Studium und staatliche Berufszulassung verbindet. [4] Daneben bieten einige Schulen ausbildungsintegrierende Studiengänge an; ausgebildete Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten können in Teil- oder Vollzeit einen Bachelor nachholen, meist bei privaten Trägern. Für ein Studium ist mindestens die Fachhochschulreife oder ein gleichwertiger Abschluss erforderlich; beruflich Qualifizierte können je nach Land auch ohne Hochschulzugangsberechtigung studieren. [5, 6]
Reform der Ergotherapieausbildung: Stand Oktober 2026
Das ErgThG stammt im Kern von 1976 und ist damit das älteste Berufsgesetz der drei großen Therapieberufe. [3] Der Koalitionsvertrag von 2025 kündigt an, die Berufsgesetze für Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie „zügig und zukunftsfest“ zu reformieren, und lehnt eine ausschließliche Vollakademisierung ab. Offen sind vor allem Finanzierung, Übergangsfristen und das Verhältnis von schulischer und hochschulischer Ausbildung. [3] Ein Referenten- oder Kabinettsentwurf für ein neues Ergotherapeutengesetz lag bis Redaktionsschluss (22.10.2026) nicht vor. Bis zu einer Neuregelung gelten Ausbildung, Prüfung und Zugang wie oben beschrieben.
Gehalt
Gehalt und Verdienstmöglichkeiten
Kliniken zahlen häufig nach Tarif, Praxen orientieren sich an den GKV-Preisen; der Entgeltatlas zeigt das tatsächlich gezahlte mittlere Entgelt.
Quellen: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit [21]; Vergütungsvereinbarung Ergotherapie ab 01.07.2026 [15]
Gehalt berechnen: Ergotherapie nach Tarif, Bundesland und Arbeitszeit
Was die Statistik zeigt
Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit lag das mittlere Bruttomonatsentgelt (Median) in der Ergotherapie in Vollzeit zum 31.12.2025 bei 3.695 €. Ein Viertel verdiente weniger als 3.086 €, ein Viertel mehr als 4.336 €. Grundlage sind 21.410 sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende; Sonderzahlungen sind anteilig enthalten. Ausgewertet wurde die Berufsgattung 81723 der Klassifikation der Berufe (Berufe in der Ergotherapie, Anforderungsniveau Spezialist). [21, 23] Zum Vergleich: Über alle Berufe lag der Median bei 4.217 €, in der Physiotherapie bei 3.452 €. [22, 21]
Angestellt in Klinik, Psychiatrie und Reha
In Krankenhäusern, psychiatrischen Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen öffentlicher, kirchlicher oder privater Träger richtet sich das Gehalt häufig nach Tarifverträgen (etwa TVöD, TV-L, kirchliche Arbeitsvertragsrichtlinien oder Haustarife). Die Entgeltgruppe ergibt sich aus den Tätigkeitsmerkmalen der jeweiligen Entgeltordnung; schwierige Aufgaben oder Leitungsfunktionen können zu einer höheren Eingruppierung führen. Maßgeblich ist der Arbeitsvertrag – fragen Sie bei Bewerbungen nach Tarifbindung, Entgeltgruppe und Stufe.
Angestellt in der Praxis
In Praxen wird das Gehalt in der Regel individuell vereinbart. Wirtschaftliche Grundlage sind die Preise, die der GKV-Spitzenverband mit den Berufsverbänden vereinbart; die seit dem 1. Juli 2026 geltenden Preise hat eine Schiedsstelle festgesetzt. [15] Der Vertrag sieht vor, dass Praxisinhaberinnen und -inhaber vereinbarte Vergütungsanhebungen, soweit möglich, in angemessener Höhe an angestellte Therapeutinnen und Therapeuten weitergeben sollen – ein Anspruch auf eine bestimmte Gehaltshöhe folgt daraus nicht. [13]
| Leistung | Regelleistungszeit | Preis |
|---|---|---|
| Motorisch-funktionelle Behandlung, Einzel | 45 Min. | 59,27 € |
| Sensomotorisch-perzeptive Behandlung, Einzel | 60 Min. | 79,03 € |
| Hirnleistungstraining, Einzel | 45 Min. | 59,27 € |
| Psychisch-funktionelle Behandlung, Einzel | 75 Min. | 98,79 € |
| Psychisch-funktionelle Behandlung, Gruppe (3–6 Personen) | 105 Min. | 48,41 € je Person |
| Analyse des ergotherapeutischen Bedarfs | einmal je Verordnungsfall | 43,16 € |
| Hausbesuch (Einsatzpauschale inkl. Wegegeld) | – | 28,69 € |
Preise inklusive der Zuzahlung der Versicherten; telemedizinische Einzelbehandlungen werden wie Präsenzbehandlungen vergütet. Die Vereinbarung ist frühestens zum 31.03.2027 kündbar. Quelle: Anlage 2 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V [15]
Statistik, Preise und Gehalt unterscheiden sich
Die GKV-Preise sind Umsätze der Praxis je Behandlungseinheit, aus denen Personal, Räume, Material, Verwaltung und Ausfallzeiten bezahlt werden – sie sind kein Stundenlohn. Der Entgeltatlas bildet dagegen tatsächlich gezahlte Bruttoentgelte aller Vollzeitbeschäftigten ab, unabhängig von Arbeitgeber und Region. Für künftige Preisvereinbarungen gilt nach § 125 SGB V der Grundsatz der Beitragssatzstabilität; nach Darstellung des Physiotherapieverbands IFK bindet das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz Vergütungssteigerungen in der Heilmittelversorgung ab 2027 wieder an die Grundlohnsumme, für 2027 bis 2029 mit einem Abschlag von einem Prozentpunkt. [19, 20]
Was das Gehalt beeinflusst
- Arbeitgeber und Tarif: Klinik oder Reha-Einrichtung mit Tarifvertrag, Einrichtung der Eingliederungshilfe oder Praxis
- Behandlungsschwerpunkt: In der Praxis bestimmt der Mix aus Einzel-, Gruppen- und Hausbesuchsleistungen den Umsatz je Arbeitsstunde [15]
- Region: Die GKV-Preise gelten bundesweit einheitlich, Gehälter und Lebenshaltungskosten nicht [15]
- Arbeitszeit: Teilzeit ist verbreitet, das Entgelt sinkt anteilig
- Verantwortung: fachliche Leitung, Praxisleitung oder Selbstständigkeit mit eigener Kassenzulassung
Weiterbildung
Karriere und Weiterbildung
Fortbildung ist für Praxen Pflicht; Spezialisierung, Studium, Leitung und eigene Praxis sind die wichtigsten Entwicklungswege.
Fortbildungspflicht in der Praxis
Zugelassene Praxisinhaberinnen und -inhaber sowie fachliche Leitungen müssen nach dem GKV-Vertrag in einem Zeitraum von vier Jahren 60 Fortbildungspunkte nachweisen, möglichst 15 pro Jahr; ein Punkt entspricht einer Unterrichtseinheit von 45 Minuten. Sie müssen außerdem auf die notwendige Fortbildung aller in der Praxis Behandelnden achten. [13, 16] Anerkannt werden Fortbildungen mit ergotherapeutischem Bezug, etwa zu aktuellen Diagnostik- und Therapieverfahren oder zur Heilmittel-Richtlinie; höchstens ein Drittel der Punkte darf aus Kongressen, Praxisorganisation oder Dozententätigkeit stammen. Nicht anerkannt werden unter anderem Selbststudium ohne Teilnahmenachweis, EDV-Schulungen, Marketing-, Steuer- oder Abrechnungsthemen. [16]
Was rechtlich zählt
Anders als in der Physiotherapie sind in der Ergotherapie keine GKV-Leistungen an Zertifikatsweiterbildungen gebunden: Die Vergütungsvereinbarung kennt keine Zertifikatspositionen, und für die Leistungserbringung genügt die Berufserlaubnis oder ein vergleichbarer Studienabschluss. [15, 17] Fortbildungen in einzelnen Behandlungskonzepten – etwa in der Handtherapie, in neurologischen Konzepten oder in der Sensorischen Integration – sind daher vor allem fachlich und für Arbeitgeber relevant. Achten Sie bei der Auswahl auf Umfang, Prüfungsform und Anerkennung durch Fachgesellschaften, da die Bezeichnungen rechtlich nicht geschützt sind.
Spezialisierung
Viele Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten spezialisieren sich auf eine Zielgruppe wie Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf oder auf ein Fachgebiet wie Neurologie, Psychiatrie oder Handtherapie. Weitere Wege sind Zusatzqualifikationen etwa zum Job-Coach oder in systemischer Beratung. [6]
Studium und akademische Wege
Nach der Ausbildung ist ein Aufbau-Bachelor in Teil- oder Vollzeit möglich. Ein Masterstudium qualifiziert für Wissenschaft, Forschung, Aus- und Weiterbildung sowie Leitungsaufgaben und berechtigt zur Promotion. [6] Mit der dauerhaften Hochschuloption nach § 8b ErgThG entstehen zusätzlich primärqualifizierende Studiengänge, die zur staatlichen Prüfung führen. [1, 4]
Leitung, Praxisanleitung und Selbstständigkeit
Mit Erfahrung übernehmen Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten die fachliche Leitung einer Abteilung oder Praxis und leiten Schülerinnen und Schüler in der praktischen Ausbildung an, die nach der ErgThAPrV unter Anleitung von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten stattfindet. [2] Für eine eigene Praxis mit Kassenzulassung verlangt § 124 SGB V die Berufserlaubnis oder einen vergleichbaren akademischen Abschluss, eine zweckmäßige Praxisausstattung und die Anerkennung der Bundesverträge; über die Zulassung entscheidet eine Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände der Krankenkassen und der Ersatzkassen mit Wirkung für alle Kassen. [18] Die Zulassungsvoraussetzungen verlangen unter anderem mindestens 20 m² Therapiefläche mit einem Therapieraum von mindestens 12 m² je gleichzeitig Behandelnden, eine lichte Raumhöhe von 2,40 m als Richtwert sowie eine Grundausstattung mit Therapiematte oder -liege, anpassbarem Arbeitstisch und Materialien für alle Altersstufen. Eine Mindestberufserfahrung ist nicht vorgeschrieben. [17]
Arbeitsmarkt
Arbeitsmarkt und Jobchancen
Die Ergotherapie zählt zu den Berufen mit deutlichem Fachkräfteengpass.
Quellen: Fachkräfteengpassanalyse 2025 der BA [23]; Entgeltatlas der BA [21]
Engpassberuf mit hohem Punktwert
In der Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit (veröffentlicht im Mai 2026) erreichen die Berufe in der Ergotherapie auf dem Anforderungsniveau Spezialist einen Gesamtwert von 2,7 von 3 Punkten. Ab 2,0 Punkten gilt ein Beruf als Engpassberuf. Die Ergotherapie gehört damit zu den zehn beschäftigungsstärksten Engpassberufen auf Spezialistenebene; die Analyse hebt Therapie und Pflege als Bereiche hervor, in denen besonders viele Beschäftigte von Engpässen betroffen sind. [23] Für Bewerberinnen und Bewerber bedeutet das gute Chancen und Verhandlungsspielraum, auch beim Wiedereinstieg oder beim Wechsel des Fachgebiets.
Wo Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten arbeiten
Zum Jahresende 2025 waren 21.410 Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sozialversicherungspflichtig in Vollzeit beschäftigt. [21] Hinzu kommen Teilzeitkräfte sowie Selbstständige mit eigener Praxis, die in dieser Zahl nicht enthalten sind. Die Arbeitsfelder reichen von Praxen über Kliniken und Rehabilitation bis zu Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Schulen und Kitas. [6]
Entwicklungen
- Mehr Therapieverantwortung: Die Blankoverordnung für psychische Erkrankungen, Demenz und Erkrankungen der Bewegungsorgane gibt Praxen seit April 2024 die Entscheidung über Heilmittel, Menge und Frequenz. [11]
- Telemedizin: Videobehandlungen sind bis zu einem Anteil von 30 % je Praxis und Quartal abrechenbar. [13]
- Vergütung unter Kostendruck: Die aktuellen Preise wurden von einer Schiedsstelle festgesetzt; ab 2027 sind Preissteigerungen wieder enger an die Einnahmenentwicklung der Krankenkassen gebunden. [15, 20]
- Akademisierung und Berufsgesetz: Erste staatliche Bachelorstudiengänge entstehen; eine Reform des ErgThG ist angekündigt, Zeitplan und Finanzierung sind offen. [3, 4]
Eignung
Für wen eignet sich der Beruf?
Gefragt sind Interesse an Menschen und ihrem Alltag, handwerkliches Geschick und die Fähigkeit, Ziele gemeinsam zu entwickeln.
Interessen
- Medizin, Psychologie und Pädagogik
- Handwerkliches und gestalterisches Arbeiten
- Arbeit mit Menschen aller Altersgruppen, auch in psychischen Krisen
Fähigkeiten im Alltag
- Genaue Beobachtung und strukturiertes Vorgehen bei Befund, Zielvereinbarung und Dokumentation
- Kreativität beim Anpassen von Aufgaben und Hilfsmitteln
- Einfühlungsvermögen und klare Grenzen
- Geduld bei langsamen Fortschritten
Realistisch zu erwarten
- Terminraster, Dokumentation und Hausbesuche
- Je nach Land Schulgeld und meist keine Ausbildungsvergütung
- Gehaltsentwicklung vor allem über Tarif, Leitung oder Selbstständigkeit
- Sehr gute Stellenchancen
Ein Praktikum in einer Ergotherapiepraxis, einer psychiatrischen Klinik oder einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zeigt, ob die Mischung aus therapeutischer Beziehung, handwerklicher Arbeit und Dokumentation passt; manche Schulen verlangen ein Vorpraktikum. [5] Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit unterstützt kostenfrei bei der Berufswahl.
Zugang
Zugang, Anerkennung und beruflicher Wechsel
Der Weg in den Beruf führt immer über die staatliche Prüfung oder die Anerkennung eines gleichwertigen Abschlusses.
- Einstieg über die Ausbildung
- Der reguläre Weg ist die dreijährige Ausbildung an einer staatlich anerkannten Schule oder ein Studium nach § 8b ErgThG, jeweils mit staatlicher Prüfung und anschließender Erlaubnis. Bewerbungen richten sich direkt an die Schulen bzw. Hochschulen. [1]
- Quereinstieg mit Vorqualifikation
- Einen Quereinstieg ohne Ausbildung gibt es nicht, da die Berufsbezeichnung erlaubnispflichtig ist. Physiotherapeutinnen, Physiotherapeuten, Erzieherinnen und Erzieher erhalten jedoch mindestens ein Jahr angerechnet; andere Ausbildungen können auf Antrag angerechnet werden. [1]
- Umschulung
- Eine Umschulung ist als reguläre Ausbildung an einer Schule möglich. Ob die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter sie fördert, klärt die Beratung vor Ort; wegen der dreijährigen Dauer und möglichen Schulgelds sollte die Finanzierung vorab geklärt werden.
- Ausländischer Abschluss
- Die zuständige Landesbehörde prüft auf Antrag die Gleichwertigkeit. Bei wesentlichen Unterschieden ist ein gleichwertiger Kenntnisstand nachzuweisen – je nach Herkunftsstaat durch eine Kenntnis- oder Eignungsprüfung oder einen höchstens dreijährigen Anpassungslehrgang. Zusätzlich sind ausreichende Deutschkenntnisse erforderlich. Angehörige von EU- und EWR-Staaten können vorübergehend und gelegentlich als Dienstleistende tätig werden; dies ist vorher schriftlich zu melden und jährlich zu erneuern. [1] Für die Kassenzulassung ist zusätzlich die Anerkennungsbescheinigung vorzulegen. [13]
Häufige Fragen
Häufige Fragen zum Beruf
Kurz beantwortet – ausführlicher in den Abschnitten oben.
Wie lange dauert die Ausbildung zur Ergotherapeutin oder zum Ergotherapeuten?
Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst mindestens 2.700 Stunden Unterricht an der Schule sowie 1.700 Stunden praktische Ausbildung, unter anderem im psychiatrischen, im motorisch-funktionellen bzw. neurologischen und im arbeitstherapeutischen Bereich. Sie endet mit der staatlichen Prüfung. Eine abgeschlossene Physiotherapie- oder Erzieherausbildung wird mit mindestens einem Jahr angerechnet. [1, 2]
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ergotherapie-Ausbildung?
Kostet die Ausbildung Schulgeld und gibt es eine Ausbildungsvergütung?
Das hängt vom Land und vom Schulträger ab; viele Länder fördern die Schulgeldfreiheit über eigene, teils befristete Programme. Einen gesetzlichen Anspruch auf Ausbildungsvergütung gibt es nicht. Bei Arbeitgebern im Geltungsbereich des TVöD werden ab Mai 2026 zwischen 1.365,24 € und 1.522,03 € brutto im Monat gezahlt. [1, 7, 8]
Was verdient man als Ergotherapeutin oder Ergotherapeut?
Der Median für Vollzeitbeschäftigte lag Ende 2025 laut Bundesagentur für Arbeit bei 3.695 € brutto im Monat; die mittlere Hälfte verdiente zwischen 3.086 € und 4.336 €. Das Gehalt hängt vor allem von Arbeitgeber, Tarifbindung, Region und Verantwortung ab. [21]
Was ist der Unterschied zwischen Ergotherapie und Physiotherapie?
Die Physiotherapie behandelt vor allem Bewegungsfunktionen wie Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Die Ergotherapie setzt bei der Handlungsfähigkeit im Alltag an und behandelt neben orthopädischen und neurologischen auch psychische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen und Demenz. Beide Berufe haben eigene Gesetze und Ausbildungen. [6, 10]
Dürfen Ergotherapeuten ohne ärztliche Verordnung behandeln?
Zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung ist grundsätzlich eine Verordnung nötig. Bei der Blankoverordnung für die Diagnosegruppen PS3, PS4 und SB1 stellen Ärztinnen, Ärzte oder – bei PS3 und PS4 – Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Diagnose und Indikation; Heilmittel, Menge und Frequenz bestimmt die Praxis. Einen Direktzugang in der GKV gibt es nicht. [11, 12]
Kann man Ergotherapie studieren?
Wird ein ausländischer Abschluss in der Ergotherapie anerkannt?
Die zuständige Landesbehörde prüft auf Antrag die Gleichwertigkeit. Fehlt sie, können Unterschiede je nach Herkunft durch eine Kenntnis- oder Eignungsprüfung oder einen Anpassungslehrgang ausgeglichen werden; ausreichende Deutschkenntnisse sind zusätzlich erforderlich. [1]
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Quellen
Stand aller Angaben: 22. Oktober 2026. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Rechtsvorschriften, Tarifverträge und Regelungen der zuständigen Stellen.
23 Quellen
- Gesetz über den Beruf der Ergotherapeutin und des Ergotherapeuten (Ergotherapeutengesetz – ErgThG) vom 25.05.1976, zuletzt geändert durch Art. 8z2 des Gesetzes vom 12.12.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 359), insbesondere §§ 1–4, 5a, 7–10. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV) vom 02.08.1999, zuletzt geändert durch Art. 5 der Verordnung vom 07.06.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 148), insbesondere §§ 1, 5–7 und Anlage 1. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Aktuelles: Stellungnahme zum Koalitionsvertrag 2025, Positionspapier „Nach mehr als 25 Jahren Stagnation“ und Meldung zum Ende der Modellklauseln. Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen, Meldungen vom 18.12.2024, 07.05.2025 und 27.10.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Ergotherapie studieren … (erster staatlicher Bachelorstudiengang Ergotherapie in Baden-Württemberg an der Hochschule Furtwangen, Studienzentrum Freiburg). Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE), Meldung vom 13.10.2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Ausbildung Ergotherapie. Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Infoblatt Ausbildung und Beruf Ergotherapie (mit DVE-Definition der Ergotherapie von 08/2007). Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE), Stand 09/2021, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD) – Allgemeiner Teil (Fassung des Änderungstarifvertrags Nr. 14 vom 06.04.2025), § 1 Abs. 1 Buchst. c, und Besonderer Teil Pflege (Fassung des Änderungstarifvertrags Nr. 18 vom 06.04.2025), § 8 Abs. 2. VKA und ver.di; Lesefassung veröffentlicht von den Knappschaft Kliniken, Stand 01.08.2025 bzw. 01.07.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Schulgeldreduzierung Gesundheitsfachberufe (VwVSchulRed 2023), außer Kraft am 31.12.2026. Förderdatenbank des Bundes, Programm des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL): Richtlinie über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung, zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025. Gemeinsamer Bundesausschuss, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Heilmittel-Richtlinie, Zweiter Teil: Zuordnung der Heilmittel zu Indikationen (Heilmittelkatalog), Abschnitt Ergotherapie. Gemeinsamer Bundesausschuss, Fassung vom 16.05.2024, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- PraxisInfo Heilmittel: Blankoverordnung in der Physio- und Ergotherapie. Kassenärztliche Bundesvereinigung, Stand Oktober 2024, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 125a Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, Fassung nach dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Vertrag nach § 125 Absatz 1 SGB V über die Versorgung mit Leistungen der Ergotherapie (Lesefassung nach der Ergänzungsvereinbarung vom 16.03.2026, gültig ab 01.04.2026), insbesondere §§ 3, 4, 6, 7a, 14 und 16. GKV-Spitzenverband, Bundesverband für Ergotherapeuten in Deutschland (BED) und Deutscher Verband Ergotherapie (DVE), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Anlage 1 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V: Leistungsbeschreibung Ergotherapie. GKV-Spitzenverband, Fassung vom 16.03.2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Anlage 2 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V: Vergütungsvereinbarung Ergotherapie, gültig für Behandlungen ab 01.07.2026 (festgesetzt durch die Schiedsstelle, Az. 1 HE 12-26). GKV-Spitzenverband, Lesefassung Stand 01.07.2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Anlage 4 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V: Fortbildung (Ergotherapie). GKV-Spitzenverband, Fassung vom 16.03.2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Anlage 5 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V: Zulassungsvoraussetzungen (Ergotherapie). GKV-Spitzenverband, Fassung vom 16.03.2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 124 Zulassung. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 125 Verträge. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- „Notbremse“ GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen: Hoffnung auf nachhaltige Strukturreformen bleibt. Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e.V., 15.07.2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Entgeltatlas. Bundesagentur für Arbeit, Stichtag 31.12.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Analyse zur Entgeltstatistik. Bundesagentur für Arbeit, Statistik, Oktober 2026 (Stichtag 31.12.2025), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Fachkräfteengpassanalyse 2025 (Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt), Abschnitte 1.2.6 und 3.4, Tabelle 8. Bundesagentur für Arbeit, Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung, Mai 2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle