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Berufsprofil · Medizinische Technologie

Kardiotechnikerin / Kardiotechniker (Perfusion). Aufgaben, Studium, Gehalt.

Kardiotechnikerinnen und Kardiotechniker – heute meist Perfusionistinnen und Perfusionisten genannt – bedienen bei Herzoperationen die Herz-Lungen-Maschine und betreuen Verfahren wie ECMO, ECLS und Herzunterstützungssysteme. Der Beruf ist in Deutschland nicht gesetzlich geregelt; der Weg führt über ein Hochschulstudium mit Schwerpunkt Perfusion und das europäische Zertifikat ECCP.

Qualifizierung
Studium, 6–7 SemesterBachelor mit Schwerpunkt Perfusion
Zugang
Hochschulzugangauch beruflich Qualifizierte, je nach Hochschule
Abschluss
B.Sc. und ECCPeuropäisches Zertifikat des EBCP
Rechtsstatus
Nicht reglementiertkein Berufsgesetz in Deutschland
Studienkosten
je nach Hochschulez. B. 495 € pro Monat (privat, dual)
Arbeitsorte
77 HerzchirurgienEinrichtungen mit Herzchirurgie 2024

Stand: 22. Oktober 2026 · alle Angaben mit Quellen

Herzchirurgischer OP: Teammitglied sitzt an der Gerätekonsole, im Hintergrund das Operationsteam

Überblick

Der Beruf im Überblick

Perfusionistinnen und Perfusionisten übernehmen während einer Herzoperation die Funktion von Herz und Lunge – technisch gesteuert, mit unmittelbarer Verantwortung für die Patientin oder den Patienten.

Die Berufsbezeichnung hat sich mehrfach gewandelt. Als erster Kardiotechniker Deutschlands gilt der OP-Pfleger J. Güttler, der 1959 in Düsseldorf die erste Operation mit Herz-Lungen-Maschine begleitete. 1971 gründete sich der Verband der Cardiotechniker Deutschlands, später Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik (DGfK); seit 2025 heißt die Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Perfusiologie und Technische Medizin (DGPTM). [5] Die DGPTM spricht heute von Perfusionistinnen und Perfusionisten, „Kardiotechnik“ ist in Studiengängen und Stellenanzeigen weiter gebräuchlich. [1, 7]

Kern des Berufs ist die extrakorporale Zirkulation: Während das Herz stillsteht, übernimmt die Herz-Lungen-Maschine Kreislauf und Sauerstoffversorgung. Perfusionistinnen und Perfusionisten führen dieses Verfahren eigenverantwortlich, überwachen Blutfluss, Sauerstoffsättigung und Laborwerte und beeinflussen die Blutzusammensetzung durch Medikamente und Filtration. [2]

Typische Einsatzorte

  • Herzchirurgische Kliniken und Herzzentren – 2024 führten in Deutschland 77 Einrichtungen Herzoperationen durch [11]
  • Transplantations-, Rhythmus- und Kinderherzchirurgie [2, 10]
  • Hybrid-OP und interventionelle Verfahren, etwa kathetergestützte Herzklappeneingriffe [2, 6]
  • ECMO- und ECLS-Programme in Intensivmedizin und Notfallversorgung [6]
  • Medizintechnik-Dienstleister mit Einsatzorten an mehreren Kliniken [7]
  • Industrie, Forschung sowie Schulung und Konfiguration medizinischer Geräte [9]

Abgrenzung zu verwandten Berufen

Die Kardiotechnik gehört nicht zu den Berufen des MT-Berufe-Gesetzes; dieses regelt die Medizinische Technologie für Laboratoriumsanalytik, Radiologie, Funktionsdiagnostik und Veterinärmedizin. [14] MT für Funktionsdiagnostik untersuchen die Herzfunktion diagnostisch; Perfusionistinnen und Perfusionisten ersetzen sie therapeutisch für die Dauer eines Eingriffs. Im OP arbeiten sie eng mit OTA, ATA und der Fachpflege für Intensiv- und Anästhesiepflege zusammen. Nach einem Konsensuspapier der Fachgesellschaften von 2020 soll die Herz-Lungen-Maschine bei Herzoperationen nur von ausgebildeten Perfusionistinnen und Perfusionisten bedient werden – eine fachliche Festlegung, keine gesetzliche. [6]

Was den Beruf ausmacht

Verantwortung in Echtzeit

Während der extrakorporalen Zirkulation hängen Kreislauf und Gasaustausch von der Maschine ab. Entscheidungen fallen im Minutentakt und in Abstimmung mit Chirurgie und Anästhesie. [2]

Technik und Physiologie

Gefragt sind Gerätekenntnis ebenso wie Physiologie, Blut- und Gerinnungsmanagement sowie Pharmakologie. [6]

Kleine Berufsgruppe

Nach Angaben der DGPTM arbeiten rund 670 Perfusionistinnen und Perfusionisten in den deutschen Herzzentren. [3]

Europäischer Standard

Das European Certificate in Cardiovascular Perfusion (ECCP) des European Board of Cardiovascular Perfusion wird nach dem Positionspapier der Fachgesellschaft in 19 EU-Ländern angewendet. [6]

Aufgaben

Aufgaben und Arbeitsalltag

Im Mittelpunkt steht die Herz-Lungen-Maschine; hinzu kommen Kreislaufunterstützung, Blutmanagement und Organperfusion.

Extrakorporale Zirkulation im OP

  • Herz-Lungen-Maschine vorbereiten, einrichten und situationsbezogen anpassen
  • Blutfluss, Sauerstoffversorgung und Temperatur steuern
  • Gase, Anästhetika, Blutprodukte und kristalloide Lösungen auf Grundlage klinikinterner SOPs geben
  • Blutmanagement einschließlich maschineller Autotransfusion
  • Laborwerte und Blutgase überwachen, Verlauf digital dokumentieren

Kreislaufunterstützung und weitere Verfahren

  • ECMO und ECLS bei Herz- oder Lungenversagen, auch bei Reanimation (ECPR)
  • Herzunterstützungssysteme wie IABP, Mikroaxialpumpen (Impella) und VAD
  • Ex-vivo-Organperfusion, etwa von Herz, Lunge, Leber oder Niere
  • Technische Unterstützung bei Schrittmacher- und Defibrillator-Eingriffen
  • Beteiligung an Forschung und Qualitätssicherung

Quellen: Positionspapier „Kompetenzen Perfusiologie und technische Medizin 2030“, Berufsbild und Stellenanzeigen der DGPTM [2, 6, 7]

Arbeitszeit und Rufbereitschaft

Ein großer Teil der Herzoperationen ist planbar, Notfalleingriffe und ECMO-Anlagen sind es nicht. Stellenanzeigen im Karriereportal der DGPTM verlangen ausdrücklich die Teilnahme an Ruf- und Wochenenddiensten. [7] Auch der Gemeinsame Bundesausschuss schreibt für kathetergestützte Herzklappeneingriffe vor, dass in Krankenhäusern mit herzchirurgischer Fachabteilung Personal mit nachweisbarer Qualifikation in der Kardiotechnik über einen Rufbereitschaftsdienst verfügbar ist; bei der TAVI muss eine Herz-Lungen-Maschine ohne zeitliche Verzögerung einsetzbar sein (§ 4 Abs. 6, § 5 Abs. 12 MHI-RL). [12] Wochenarbeitszeit und Vergütung der Dienste regelt der jeweilige Tarif- oder Arbeitsvertrag.

Zusammenarbeit

Perfusionistinnen und Perfusionisten arbeiten in interdisziplinären Teams der Herz- und Thoraxchirurgie, Transplantations- und Rhythmuschirurgie sowie bei Hybrid- und interventionellen Eingriffen. [2] Enge Schnittstellen bestehen zur Anästhesie, zur Kardiologie und zur Intensivmedizin, vor allem wenn ECMO-Patientinnen und -Patienten über Tage betreut werden.

Verantwortung und Belastungen

Die Arbeit verlangt anhaltende Konzentration über mehrere Stunden, sichere Routinen für Gerätestörungen und Ruhe in kritischen Situationen. Rufdienste in der Nacht und am Wochenende gehören in den meisten Abteilungen dazu. Da Teams klein sind, tragen die Einzelnen viel Verantwortung für Ausfallsicherheit, Gerätebereitschaft und Dokumentation.

Unterschiede nach Einsatzbereich

Erwachsenenherzchirurgie
Bypass- und Klappenoperationen bilden den Schwerpunkt. 2024 wurden 20.658 isolierte Bypassoperationen mit und 8.185 ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. [11]
Kinderherzchirurgie
2025 wurden 4.842 Eingriffe bei angeborenen Herzfehlern mit Herz-Lungen-Maschine erfasst. [10] Für das ECCP sind auch hospitierte pädiatrische Perfusionen nachzuweisen. [6]
ECMO und ECLS
Herzchirurgische Abteilungen meldeten für 2025 2.579 ECLS- und 530 ECMO-Anwendungen. [10]
Herzunterstützung und Transplantation
2025 wurden 844 links- oder rechtsventrikuläre Unterstützungssysteme implantiert und 358 isolierte Herztransplantationen durchgeführt. [10]
Dienstleister und Industrie
Medizintechnik-Dienstleister übernehmen die Perfusion an mehreren Kliniken; in der Industrie stehen Produktschulung, Gerätekonfiguration und Forschung im Vordergrund. [7, 9]

Was Perfusionistinnen und Perfusionisten dürfen – und was nicht

Weil es in Deutschland kein Berufsgesetz gibt, sind weder Berufsbezeichnung noch vorbehaltene Tätigkeiten gesetzlich festgelegt. [6] Maßgeblich sind die fachlichen Standards (Konsensuspapier 2020, ECCP-Standard), klinikinterne SOPs und die Absprachen mit Herzchirurgie und Anästhesie; die Gabe von Medikamenten und Blutprodukten an der Herz-Lungen-Maschine erfolgt nach dem Positionspapier auf Grundlage solcher SOPs. [6] Für Kliniken kann das ECCP laut DGPTM bei Vorgaben des G-BA und Prüfungen des Medizinischen Dienstes eine Rolle spielen. [4]

Studium

Studium und Zertifizierung

Eine gesetzlich geregelte Ausbildung gibt es nicht; der Weg führt über ein Hochschulstudium und das europäische Zertifikat ECCP.

Rechtsgrundlage
Keine bundesgesetzliche Ausbildung; die Qualifizierung erfolgt im Hochschulrecht und orientiert sich am Standard des European Board of Cardiovascular Perfusion (EBCP). [6]
Dauer
Bachelor 6 Semester (Akkon Hochschule) bis 7 Semester (Hochschule Furtwangen); berufsbegleitende Zertifikats- und Masterwege 4 bis 5 Semester. [1, 8, 9]
Lernorte
Hochschule und herzchirurgische Klinik; die praktische Qualifikation wird über dokumentierte Perfusionen nachgewiesen. [1, 4]
Zertifizierung
European Certificate in Cardiovascular Perfusion (ECCP), vergeben vom EBCP; die DGPTM ist dort durch einen Delegierten vertreten. [4]
Abschluss
Bachelor of Science, ggf. Master; Berufsbezeichnung nicht geschützt. [1, 6]

Studienangebote

Studien- und Zertifikatswege in der Perfusion (Stand Oktober 2026)
HochschuleAbschlussUmfang und FormatKosten
Akkon Hochschule Berlin, mit dem Deutschen Herzzentrum der CharitéB.Sc. Cardiovascular Perfusion6 Semester, 180 ECTS; dual, berufsintegrierend mit Präsenzwochen in Berlin; Start Oktober 2026495 € pro Monat
Hochschule Furtwangen, Campus SchwenningenB.Sc. Medizintechnik – Klinische Technologien, Vertiefung OP-Ingenieurwesen/Kardiotechnik7 Semester, 210 ECTS inkl. Praxissemester; für die Kardiotechnik auch in Teilzeit176 € pro Semester
Hochschule FurtwangenM.Sc. Technical Physician, Vertiefung Kardiotechnik90 ECTS in 3 bis 4 Semestern; einschlägiges Erststudiumkeine Angabe
FH MünsterM.Sc. Cardiovascular Perfusion120 ECTS in 5 Semestern, berufsbegleitend; mindestens 100 Perfusionen unter Aufsicht, EBCP-Prüfung integriert667 € pro Monat
FH MünsterHochschulzertifikat Klinische Perfusion/Kardiotechnik4 Semester, berufsbegleitend; Bewerbung über die anmeldende Klinik667 € pro Monat

Quellen: DGPTM, Akkon Hochschule, Hochschule Furtwangen [1, 8, 9]. Die FH Aachen baut nach Angaben der DGPTM ein Angebot auf. Für den Akkon-Studiengang ist die staatliche Genehmigung nach Angaben der Hochschule beantragt, die Akkreditierung läuft. [1, 8]

Zugangsvoraussetzungen

Gesetzliche Vorgaben gibt es mangels Berufsgesetz nicht; es gelten die Zulassungsregeln der Hochschulen. Die Akkon Hochschule setzt eine abgeschlossene, mindestens dreijährige Berufsausbildung im Gesundheitsbereich voraus – genannt werden etwa Pflege, Notfallsanitäter, Medizinisch-technische Assistenz und OTA –, dazu einen Studienvertrag mit einem Kooperationspartner und ein Beratungsgespräch; ein Abitur ist nicht erforderlich. [8] Die Hochschule Furtwangen verlangt eine Hochschulzugangsberechtigung; ohne Abitur ist der Zugang etwa mit Meister- oder Fachwirtabschluss oder mit einschlägiger Berufsausbildung und Berufserfahrung möglich. [1, 9] Für den Master und den Zertifikatskurs der FH Münster ist ein Arbeitsvertrag als Perfusionistin oder Perfusionist an einer deutschen Klinik nötig; für den Zertifikatskurs genügt neben einem Hochschulabschluss auch eine medizinische Berufsausbildung mit ersten Perfusionserfahrungen. [1] Kliniken und Dienstleister schreiben deshalb eigene Ausbildungsplätze aus, die mit einem dieser Studienwege verbunden sind. [7]

Der Weg zum ECCP

  1. Qualifizierung an einem akkreditierten Zentrum

    Beim EBCP akkreditiert sind laut DGPTM die FH Münster, die Berliner Hochschule für Technik (Akademie für Kardiotechnik) und die Hochschule Furtwangen. [4]

  2. Praktische Perfusionen

    Ein von Ausbildern unterzeichnetes Logbuch mit mindestens 100 klinischen Perfusionen als primäre Perfusionistin oder primärer Perfusionist; das Positionspapier nennt zusätzlich fünf hospitierte pädiatrische Perfusionen und ein Fachpraktikum von mindestens sechs Monaten. [4, 6]

  3. Berufserfahrung

    Mindestens zwei Jahre klinische Tätigkeit als Perfusionistin oder Perfusionist in einem EU- oder EFTA-Land; die Ausbildungszeit wird angerechnet. [4]

  4. Prüfung

    Schriftlich (75 Multiple-Choice-Fragen, online), mündlich und praktisch; 2026 am 21. November, Zulassungsgebühr 200 €. Für bestimmte Abschlüsse, etwa der Hochschule Furtwangen seit 06/2009 und der Akademie für Kardiotechnik Berlin seit 2008, gilt eine Harmonisierung ohne zusätzliche Prüfung. [4]

  5. Rezertifizierung

    Alle drei Jahre; das Positionspapier nennt 120 klinische Fälle und 120 Fortbildungspunkte im Zeitraum, die Gebühr beträgt 75 €. [4, 6]

Kosten und Vergütung im Studium

Einen gesetzlichen Anspruch auf Ausbildungsvergütung gibt es nicht, weil der Beruf nicht gesetzlich geregelt ist. In dualen und berufsbegleitenden Modellen legen Studien- oder Arbeitsvertrag mit der Klinik fest, ob ein Gehalt gezahlt und ob Studiengebühren übernommen werden; die Akkon Hochschule macht dazu keine Angaben. [8] Klären Sie diese Punkte vor Vertragsabschluss mit dem Arbeitgeber.

Berufsgesetz: gefordert, nicht beschlossen

Die Akademie für Kardiotechnik am Deutschen Herzzentrum Berlin bot ab 1988 viersemestrige Kurse an; das Land Berlin erließ dafür 1991 eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung (KardTechAPrO). [5] Eine bundesweite Regelung gibt es nicht. Ein Konsensuspapier der Fachgesellschaften forderte 2020 eine einheitliche Ausbildung, einen geschützten Titel und die staatliche Anerkennung als Gesundheitsberuf; das Positionspapier von 2024 verlangt einen einheitlichen akademischen Abschluss mindestens auf DQR-Niveau 6. [5, 6] Ein Berufsgesetz ist nach den für diese Seite ausgewerteten Quellen nicht verabschiedet.

Gehalt

Gehalt und Verdienstmöglichkeiten

Belastbare öffentliche Gehaltsdaten speziell für die Perfusion fehlen; maßgeblich sind Tarifbindung, Eingruppierung und Dienste.

Für Perfusionistinnen und Perfusionisten gibt es keine öffentlich zugängliche berufsspezifische Gehaltsstatistik, die sich belastbar zuordnen lässt. DocJob24 nennt deshalb keinen Medianwert aus dem Entgeltatlas. Die DGPTM führt unter ihren Mitgliedern eine Gehaltsumfrage durch, deren Ergebnisse nicht öffentlich sind. [2, 3]

Tarifliche Einordnung

Schon 1963 wurden die „Angestellten an der Herz-Lungen-Maschine“ in den Bundesangestelltentarif eingruppiert (Vergütungsgruppen VII bis Vb). [5] Heute richtet sich die Vergütung nach dem Tarifwerk des Arbeitgebers – etwa TVöD, TV-L, kirchliche Arbeitsvertragsrichtlinien oder Haustarife – und nach der Eingruppierung im Einzelfall. Eine einheitliche Entgeltgruppe für die Perfusion lässt sich aus den ausgewerteten Quellen nicht ableiten. Aktuelle Stellenanzeigen im Karriereportal der DGPTM nennen keinen Tarifvertrag, sondern eine „leistungsgerechte Vergütung“. [7]

Fragen für das Bewerbungsgespräch

Lassen Sie sich Tarifvertrag, Entgeltgruppe und Erfahrungsstufe nennen, ebenso die Regelungen zur Vergütung von Ruf- und Wochenenddiensten, zur Anerkennung von Berufserfahrung und zur Übernahme von Studien-, Prüfungs- und Rezertifizierungsgebühren.

Was das Gehalt beeinflusst

  • Tarifbindung und Träger: öffentliche, kirchliche oder private Klinik, Universitätsklinikum, Dienstleister oder Industrie
  • Qualifikation: Bachelor, Master und ECCP; das Zertifikat wird in Stellenanzeigen verlangt oder als Ziel vorausgesetzt [7]
  • Umfang der Ruf-, Nacht- und Wochenenddienste
  • Spezialisierung, etwa Kinderperfusion, ECMO-Programme oder Herzunterstützungssysteme
  • Leitungsfunktion in der Kardiotechnik-Abteilung

Karriere

Karriere und Weiterbildung

Master, Promotion, Zusatzzertifikate und Leitungsfunktionen erweitern die Möglichkeiten.

Master und Promotion

Der berufsbegleitende Master Cardiovascular Perfusion der FH Münster verbindet Blockunterricht mit klinischer Tätigkeit und schließt die EBCP-Prüfung ein. Die Hochschule Furtwangen bietet den Master Technical Physician mit Vertiefung Kardiotechnik an (zusammen mit dem Bachelor 300 ECTS) und ermöglicht eine Promotion. [1] Das Positionspapier der Fachgesellschaft sieht Perfusionsstudiengänge modular mit mindestens 60 ECTS an perfusiologischen Inhalten vor. [6]

Zertifikate und Fortbildung

  • ECLS-Zertifikat: gemeinsam getragen von DGF, DGK, DGPTM, DGTHG und GRC; bei mindestens zehn ECLS-Anwendungen pro Jahr verlängert es sich um fünf Jahre, sonst ist eine Rezertifizierung nötig. [13]
  • EBCP-Fortbildungspunkte: Das monatliche Fachwissensquiz der DGPTM bringt je einen halben Punkt, höchstens sechs Punkte pro Jahr. [1, 2]
  • Mentoring und Stipendien: Die DGPTM bietet Tutoring- und Mentoring-Programme sowie Stipendien an. [1]

Spezialisierungen

Neben der Erwachsenenherzchirurgie bieten sich Kinderperfusion, mechanische Kreislaufunterstützung, ECMO-Programme, Organperfusion, Rhythmologie und klinische Forschung an. [6]

Leitung und Wechsel in die Industrie

Mit Erfahrung übernehmen Perfusionistinnen und Perfusionisten die Leitung einer Kardiotechnik-Abteilung, die Praxisanleitung von Studierenden oder Lehraufgaben an Hochschulen. Die Hochschule Furtwangen nennt außerdem Industrie, Forschung, Management von Gesundheitseinrichtungen sowie Schulung und Konfiguration medizinischer Geräte als Berufsfelder. [9]

Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt und Jobchancen

Eine kleine Berufsgruppe mit Arbeitsplätzen an den Standorten der Herzchirurgie.

77
Einrichtungen mit Herzchirurgie
Deutschland, Berichtsjahr 2024 (DGTHG)
rund 670
Perfusionistinnen und Perfusionisten
in den Herzzentren, Angabe der DGPTM 2026
64.602
Eingriffe mit extrakorporaler Zirkulation
Deutschland, 2024 (DGTHG)

Quellen: German Heart Surgery Report 2024; DGPTM, Herzzentren [11, 3]

Ein kleiner, spezialisierter Markt

Arbeitsplätze in der klinischen Perfusion sind an Standorte mit Herzchirurgie gebunden. Die DGPTM führt 73 Kliniken mit Herzchirurgie, die DGTHG zählte für 2024 77 Einrichtungen; die Abweichung ergibt sich aus der unterschiedlichen Zählweise. [3, 11] Wer in den Beruf möchte, sollte daher regional flexibel sein. Eine Engpassbewertung der Bundesagentur für Arbeit speziell für die Perfusion liegt für diese Seite nicht vor.

Entwicklungen

  • Kathetergestützte Verfahren: 2025 waren 55,8 % der isolierten Herzklappeneingriffe transkatheter. [10] Auch hier muss die Herz-Lungen-Maschine bei der TAVI bereitstehen und die Kardiotechnik in Rufbereitschaft erreichbar sein. [12]
  • Mechanische Kreislaufunterstützung: 2024 wurden in herzchirurgischen Abteilungen 3.168 ECMO- bzw. ECLS-Systeme, 1.333 extrakorporale Pumpen ohne Oxygenator und 378 IABP eingesetzt. [11]
  • Organperfusion: Die DGPTM nennt die Ex-vivo-Perfusion von Organen als neues Tätigkeitsfeld. [1, 2]
  • Akademisierung: Die Fachgesellschaft strebt einen einheitlichen Abschluss auf mindestens Bachelorniveau an. [6]

Nachwuchs

Ausgebildet wird an wenigen Hochschulstandorten; mit dem dualen Bachelor der Akkon Hochschule in Berlin ist im Oktober 2026 ein weiteres Angebot gestartet. [1] Kliniken und Dienstleister schreiben Ausbildungsplätze aus, bei denen das Studium mit einer Anstellung verbunden ist. [7]

Eignung

Für wen eignet sich der Beruf?

Der Beruf verbindet Technik, Physiologie und Teamarbeit unter Zeitdruck.

Interessen

  • Herz-Kreislauf-Physiologie und Blutgasanalyse
  • Medizintechnik, Pumpen und Sensorik
  • Arbeit im OP und auf der Intensivstation

Fähigkeiten im Alltag

  • Konzentration über lange Eingriffe
  • Schnelle, ruhige Reaktion bei Störungen
  • Präzise Kommunikation im OP-Team
  • Sorgfältige Dokumentation

Realistisch zu erwarten

  • Ruf- und Wochenenddienste
  • Wenige Studienorte, oft mit Arbeitsvertrag verbunden
  • Studiengebühren je nach Hochschule
  • Arbeitsplätze nur an Standorten mit Herzchirurgie

Eine Hospitation in einer Kardiotechnik-Abteilung zeigt am besten, ob der Alltag zwischen Planeingriffen und Notfällen passt; die DGPTM listet die Herzzentren mit Ansprechpersonen. [3] Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit unterstützt bei der Wahl des passenden Studienwegs. Berufsberatung der BA [16]

Zugang

Zugang, Anerkennung und beruflicher Wechsel

Neben dem direkten Studium gibt es Wege aus Gesundheitsberufen und der Medizintechnik.

Einstieg über das Studium
Der direkte Weg führt über einen Bachelor mit Schwerpunkt Kardiotechnik oder Perfusion, etwa an der Hochschule Furtwangen, oder über den dualen Bachelor der Akkon Hochschule. [1, 8, 9]
Aus einem Gesundheitsberuf
Pflegefachpersonen, Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, OTA und MT können über den Akkon-Bachelor oder – mit Arbeitsvertrag in einer Klinik – über den Zertifikatskurs der FH Münster wechseln. [1, 8] Verwandte Profile: Pflegefachfrau / Pflegefachmann, Notfallsanitäter.
Aus der Medizintechnik
Einzelne Arbeitgeber akzeptieren auch ein abgeschlossenes Medizintechnikstudium als Einstieg. [7]
Ausländischer Abschluss
Da die Perfusion in Deutschland nicht reglementiert ist, ist keine Berufsanerkennung vorgeschrieben. Eine Zeugnisbewertung der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) ist freiwillig, kann aber Bewerbung und Visumsverfahren erleichtern; sie kostet 208 €. [15] Ein vorhandenes ECCP ist europaweit vergleichbar. [4, 6]

Anerkennung von Hochschulabschlüssen

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Beruf

Kurz beantwortet – ausführlicher in den Abschnitten oben.

Was macht eine Kardiotechnikerin oder ein Kardiotechniker?

Kardiotechnikerinnen und Kardiotechniker, heute meist Perfusionistinnen und Perfusionisten genannt, bedienen und überwachen bei Herzoperationen die Herz-Lungen-Maschine. Außerdem betreuen sie ECMO- und ECLS-Verfahren, Herzunterstützungssysteme, maschinelle Autotransfusion und zunehmend die Organperfusion. [2, 6, 7]

Ist Kardiotechnik ein Ausbildungsberuf?

Nein. In Deutschland gibt es keine bundesgesetzlich geregelte Ausbildung. Der Weg führt über ein Studium, etwa den Bachelor Cardiovascular Perfusion der Akkon Hochschule oder Medizintechnik mit Vertiefung Kardiotechnik an der Hochschule Furtwangen, oder über berufsbegleitende Angebote der FH Münster. [1, 6]

Kann ich ohne Abitur Perfusionistin oder Perfusionist werden?

Ja, über den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte. Die Akkon Hochschule verlangt dafür eine abgeschlossene, mindestens dreijährige Ausbildung im Gesundheitsbereich; an der Hochschule Furtwangen ist der Zugang zum Beispiel mit Meisterabschluss oder mit einschlägiger Ausbildung und Berufserfahrung möglich. [1, 8]

Was ist das ECCP?

Das European Certificate in Cardiovascular Perfusion wird vom European Board of Cardiovascular Perfusion vergeben. Voraussetzungen sind unter anderem mindestens 100 dokumentierte Perfusionen, zwei Jahre klinische Tätigkeit und eine Prüfung; alle drei Jahre ist eine Rezertifizierung nötig. [4, 6]

Was verdient man in der Kardiotechnik?

Eine öffentliche, berufsspezifische Gehaltsstatistik liegt nicht vor. Die Vergütung richtet sich nach dem Tarif- oder Arbeitsvertrag des Arbeitgebers, der Eingruppierung und dem Umfang der Ruf- und Wochenenddienste. [5, 7]

Ist der Beruf staatlich anerkannt?

Bundesweit nicht: Es gibt weder ein Berufsgesetz noch eine geschützte Berufsbezeichnung. Die Fachgesellschaften fordern seit 2020 eine einheitliche Ausbildung und die staatliche Anerkennung. Berlin hatte 1991 eine eigene Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Akademie für Kardiotechnik erlassen. [5, 6]

Worin unterscheiden sich Kardiotechnik und MT für Funktionsdiagnostik?

MTF sind ein gesetzlich geregelter Ausbildungsberuf nach dem MT-Berufe-Gesetz und untersuchen die Herzfunktion diagnostisch. Perfusionistinnen und Perfusionisten ersetzen Herz- und Lungenfunktion therapeutisch mit Maschinen; ihr Beruf ist nicht gesetzlich geregelt und wird über ein Studium erlernt. [6, 14]

Gehört Rufbereitschaft zum Beruf?

In der Regel ja. Stellenanzeigen verlangen die Teilnahme an Ruf- und Wochenenddiensten, und die G-BA-Richtlinie zu kathetergestützten Herzklappeneingriffen sieht eine Rufbereitschaft der Kardiotechnik vor. [7, 12]

Stellenangebote

Stellen in der Kardiotechnik bei DocJob24.

DocJob24 veröffentlicht ausschließlich Stellen aus dem Gesundheitswesen – bei geprüften Arbeitgebern.

Aktuelle Stellen für Kardiotechnikerinnen und Kardiotechniker finden Sie in der Berufsgruppe „Medizinische Technologie“. Mit einem kostenlosen Bewerberprofil können Arbeitgeber Sie außerdem direkt finden – Name und Kontaktdaten sehen sie erst, wenn Sie sich bewerben.

Verwandte Berufe im Verzeichnis

Quellen

Stand aller Angaben: 22. Oktober 2026. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Rechtsvorschriften, Tarifverträge und Regelungen der zuständigen Stellen.

16 Quellen
  1. Karriere: Studium – Wege in den Beruf Perfusionist:in (Studiengänge Akkon Hochschule Berlin, Hochschule Furtwangen, FH Münster, FH Aachen). Deutsche Gesellschaft für Perfusiologie und Technische Medizin e. V. (DGPTM), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  2. Berufsbild: Die Wissenschaft der klinischen Perfusion. DGPTM, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  3. Herzzentren in Deutschland (Verzeichnis der Kliniken mit Herzchirurgie). DGPTM, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  4. EBCP / Rezertifizierung – European Certificate in Cardiovascular Perfusion (ECCP): Zulassung, Prüfung 2026, Rezertifizierung. DGPTM, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  5. Die Geschichte der Perfusiologie (Chronik der Kardiotechnik in Deutschland). DGPTM, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  6. Münch F. et al. (Akademischer Beirat der DGfK): Kompetenzen Perfusiologie und technische Medizin 2030 – Positionspapier. Die Perfusiologie 2024(1), S. 173–178, DOI 10.47624/dp.033.NZML4738. Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e. V. (heute DGPTM), 2024, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  7. Stellenangebote für Perfusionistinnen und Perfusionisten (Anzeigen Life Systems Medizintechnik-Service GmbH vom 15.05.2026 und Klinikum Fulda/WKK GmbH vom 28.08.2026). DGPTM, Karriereportal, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  8. Cardiovascular Perfusion (B.Sc.) – dual, berufsintegrierend, in Kooperation mit dem Deutschen Herzzentrum der Charité. Akkon Hochschule für Humanwissenschaften, Berlin, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  9. Medizintechnik – Klinische Technologien (B.Sc.), Vertiefung OP-Ingenieur/Kardiotechnik. Hochschule Furtwangen, Campus Schwenningen, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  10. DGTHG-Leistungsstatistik, Verfahrensjahr 2025 (Grafiken, free access). Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Juli 2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  11. Beckmann A., Meyer R., Eberhardt J., Gummert J., Falk V.: German Heart Surgery Report 2024. Thorac Cardiovasc Surg 2025;73:595–608, DOI 10.1055/a-2737-6756. DGTHG, online 02.12.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  12. Richtlinie zu minimalinvasiven Herzklappeninterventionen (MHI-RL), Fassung vom 03.12.2025, in Kraft seit 01.01.2026, insbesondere § 4 Abs. 6 und § 5 Abs. 12. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), BAnz AT 20.01.2026 B3, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  13. ECLS-Zertifizierung: Portal und Bedingungen zur Verlängerung. Gemeinsames Zertifizierungsportal von DGF, DGK, DGPTM, DGTHG und GRC, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  14. Gesetz über die Berufe in der medizinischen Technologie (MT-Berufe-Gesetz – MTBG) vom 24.02.2021 (BGBl. I S. 274), in Kraft seit 01.01.2023, insbesondere § 1. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  15. Anerkennung von Hochschulabschlüssen (reglementierte und nicht reglementierte Berufe, Zeugnisbewertung der ZAB). Anerkennung in Deutschland, Portal der Bundesregierung (BIBB), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
  16. Hilfe bei der Berufswahl – Angebote der Berufsberatung. Bundesagentur für Arbeit, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle

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