Berufsprofil · Therapie
Sporttherapeutin / Sporttherapeut. Aufgaben, Studium, Reha.
Sport- und Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten setzen Training gezielt in Rehabilitation, Nachsorge und Prävention ein – etwa nach Operationen, bei Herz-Kreislauf-, Krebs- oder psychischen Erkrankungen. Der übliche Weg ist ein sportwissenschaftliches Bachelorstudium mit Schwerpunkt Rehabilitation, oft ergänzt um das Zertifikat des DVGS; ein Berufsgesetz gibt es nicht.
- Studium
- Bachelor, 6–8 SemesterSportwissenschaft/Sporttherapie
- Zugang
- Abitur oder Fachhochschulreifeje nach Hochschule, oft Eignungstest
- Abschluss
- B.A. oder B.Sc.Berufsbezeichnung nicht geschützt
- Zusatzqualifikation
- DVGS-Zertifikat20 ECTS plus 6 Monate Praxis
- Reha-Leistungen
- KTL Kapitel AKlassifikation der Rentenversicherung
- Tarif
- Keine eigene EntgeltgruppeEntgeltordnung TVöD (VKA)
Stand: 22. Oktober 2026 · alle Angaben mit Quellen

Überblick
Der Beruf im Überblick
Sport- und Bewegungstherapie ist Training mit therapeutischem Ziel – vor allem in Rehabilitation, Nachsorge und Prävention.
Sport- und Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten nutzen strukturierte, trainingswissenschaftlich und pädagogisch begründete Bewegung als Therapie – in der Regel auf Grundlage einer ärztlichen Diagnose. Art und Umfang der Therapie richten sie an Diagnose, aktueller Evidenz und Lebenssituation der Patientinnen und Patienten aus. Ziel ist, gesundheitliche Probleme auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene zu beeinflussen und eine dauerhaft aktive Lebensweise aufzubauen. [3]
Anders als Physiotherapie ist die Sport- und Bewegungstherapie nicht durch ein eigenes Berufsgesetz des Bundes geregelt; eine staatliche Prüfung oder Berufserlaubnis gibt es nicht. Welche Qualifikation verlangt wird, legen in der Praxis die Kostenträger und ihre Vereinbarungen fest – etwa die Deutsche Rentenversicherung für die medizinische Rehabilitation, die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) für den Rehabilitationssport und der GKV-Spitzenverband für Präventionskurse. [8, 12, 14] Als fachlicher Maßstab hat sich das Zertifikat des Deutschen Verbands für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) etabliert, das auf ein sportwissenschaftliches Studium aufsetzt. [1, 2]
Typische Einsatzorte
- Stationäre und ambulante medizinische Rehabilitation (Rentenversicherung, Unfallversicherung, Krankenkassen)
- Reha-Nachsorge, etwa trainingstherapeutische Nachsorge (T-RENA) der Rentenversicherung
- Rehabilitationssport und Funktionstraining, zum Beispiel Herzsport- oder Orthopädiegruppen in Vereinen
- Psychiatrische und psychosomatische Kliniken
- Onkologische und weitere Programme im Rahmen von Selektivverträgen der Krankenkassen
- Prävention: Präventionskurse, betriebliche Gesundheitsförderung, Prävention in Pflegeeinrichtungen
Quelle: DVGS, Versorgungsbereiche [4]
Abgrenzung zur Physiotherapie
Beide Berufe arbeiten mit Bewegung, unterscheiden sich aber rechtlich deutlich. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten haben eine staatliche Erlaubnis und können als Heilmittelerbringer von den Krankenkassen zugelassen werden; die Zulassung setzt eine Ausbildung voraus, die zur Führung der Berufsbezeichnung berechtigt. [19] Sport- und Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten können deshalb keine Heilmittel-Verordnungen abrechnen. Ihre Leistungen werden vor allem in der Rehabilitation, im Rehabilitationssport, in der Nachsorge und in der Prävention finanziert. [4]
Was den Beruf ausmacht
Training als Therapie
Ausdauer-, Kraft-, Koordinations- und Beweglichkeitstraining werden indikationsbezogen dosiert und mit Verhaltensänderung verbunden. [3]
Meist in Gruppen
Viele Leistungen – vom Rehabilitationssport bis zum Präventionskurs – finden in Gruppen statt; im Rehasport sind es höchstens 15 Teilnehmende je Übungsleitung. [12]
Breites Indikationsspektrum
Das DVGS-Zertifikat gliedert sich nach Orthopädie, Neurologie, Innerer Medizin, Psychiatrie/Psychosomatik/Sucht und Onkologie. [1]
Aufgaben
Aufgaben und Arbeitsalltag
Diagnostik, Trainingsplanung und Anleitung – überwiegend in Gruppen, oft im interdisziplinären Reha-Team.
Therapie und Training
- Indikationsbezogene Gruppen- und Einzeltherapie, z. B. Rückengruppe, Herz-Kreislauf-Training, Gangschulung
- Gerätegestütztes Kraft- und Ausdauertraining (Medizinische Trainingstherapie, MTT)
- Bewegungsangebote in Psychiatrie und Psychosomatik
- Bewegungs- und Sporttherapie in der Onkologie
- Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation
Diagnostik, Planung, Schulung
- Bewegungsbezogene Eingangs- und Verlaufsdiagnostik, Belastbarkeitstests
- Trainingsplanung und -steuerung nach ärztlicher Indikation
- Förderung bewegungsbezogener Gesundheitskompetenz und Anleitung zum Eigentraining
- Dokumentation, in der Rehabilitation nach der KTL der Rentenversicherung
- Abstimmung im interdisziplinären Reha-Team
Quellen: DVGS-Modulhandbuch (Modulinhalte) [1]; DRV, KTL [6]
Arbeitsumgebung und Arbeitszeit
Gearbeitet wird in Trainingsräumen, Sporthallen, Bewegungsbädern und im Freien, in Reha-Kliniken meist im Tagdienst. Rehabilitationssport und Präventionskurse finden häufig am Abend statt, weil die Teilnehmenden berufstätig sind. Eine Übungsveranstaltung im Rehasport dauert in der Regel mindestens 45 Minuten, in Herzgruppen 60 Minuten; je Woche sind bis zu zwei, mit besonderer Begründung drei Termine vorgesehen. [12]
Zusammenarbeit
Sport- und Bewegungstherapie ist Teil eines Teams aus Ärztinnen und Ärzten, Physio- und Ergotherapie, Psychologie, Pflege, Ernährungsberatung und Sozialdienst. Die Deutsche Rentenversicherung Bund beschreibt die Bewegungstherapie in der medizinischen Rehabilitation in einem eigenen Praxisleitfaden (Stand 03.09.2026). [7] In Herzgruppen ist grundsätzlich die ständige, persönliche Anwesenheit einer betreuenden Ärztin oder eines Arztes vorgeschrieben; bei Herzinsuffizienzgruppen ist sie zwingend. [12]
Unterschiede nach Einsatzbereich
- Orthopädie, Rheumatologie, Traumatologie
- Training nach Operationen, bei Rückenschmerz oder Arthrose; Schwerpunkt MTT. Im DVGS-Zertifikat umfasst dieses Modul 7 ECTS, davon 4 ECTS MTT. [1]
- Innere Medizin, Kardiologie
- Ausdauertraining bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Adipositas; ambulant oft in Herzgruppen. [1, 12]
- Psychiatrie, Psychosomatik, Sucht
- Bewegung zur Aktivierung, Tagesstruktur und Körperwahrnehmung. Die S3-Leitlinie der DGPPN zu psychosozialen Therapien (2025) übernimmt laut DVGS dessen Definition der Sport- und Bewegungstherapie. [18]
Was Sporttherapeuten dürfen – und was nicht
Sport- und Bewegungstherapie setzt in der Rehabilitation und im Rehasport eine ärztliche Indikation bzw. Verordnung voraus; Rehabilitationssport und Funktionstraining sind gesetzlich als ärztlich verordnete Leistungen ausgestaltet. [11] Eine Zulassung als Heilmittelerbringer ist ohne staatliche Berufserlaubnis nicht möglich. [19] Gerätegestützte Krankengymnastik (KG-Gerät) zulasten der Krankenkassen erbringen daher nur Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten mit entsprechender Weiterbildung von mindestens 40 Unterrichtseinheiten. [20] Die Medizinische Trainingstherapie in der Reha ist davon zu unterscheiden.
Studium und Qualifikation
Studium und Zusatzqualifikation
Der übliche Weg ist ein sportwissenschaftliches Bachelorstudium, ergänzt um das indikationsbezogene DVGS-Zertifikat.
- Rechtsgrundlage
- Kein Berufsgesetz; Studium nach Hochschulrecht der Länder, Zusatzqualifikation nach Regeln des DVGS und der Kostenträger
- Studiengänge
- Bachelor Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Prävention/Rehabilitation, Sporttherapie oder Bewegungstherapie (B.A. oder B.Sc.)
- Dauer
- Bachelor: 6, 7 oder 8 Semester Regelstudienzeit, mindestens 180 ECTS-Punkte [5]
- Zugang
- Hochschulzugangsberechtigung (Abitur oder Fachhochschulreife, je nach Hochschule); an vielen Hochschulen zusätzlich eine Sporteignungsprüfung
- Zusatzqualifikation
- Zertifikat „Sport-/Bewegungstherapie DVGS“ – in einem Teil der Studiengänge integriert, sonst nach dem Studium
Curriculumsbestandteile des DVGS-Zertifikats sind nach Angaben des Verbands in die Studiengänge von 20 kooperierenden Universitäten und Hochschulen sowie elf Fachschulen eingeflossen. Seit dem Wintersemester 2023/24 lässt sich die vollständige Qualifikation auch als Erstqualifikation in einem dualen Studiengang Sporttherapie erwerben. [1]
Das DVGS-Zertifikat in vier Stufen
- Stufe I – Zulassung
Sport- oder bewegungswissenschaftlicher Abschluss (Lehramt, Bachelor, Master, Diplom, Magister) mit mindestens 10 ECTS Sportpraxis und 20 ECTS Theorie; Studierende können nach vier Semestern und bestandener Zwischenprüfung beginnen. Auch staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrkräfte sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten (mit Ergänzung in Sportpraxis) können zugelassen werden. [1]
- Stufe II – Grundlagen (10 ECTS)
Pflichtmodule zu bewegungsbezogener Gesundheitskompetenz, gesundheitswissenschaftlichen und biologisch-medizinischen Grundlagen, dazu Wahlmodule wie Rückenschule, Sturzprävention oder Entspannungsverfahren. [1]
- Stufe III – Spezialisierung (10 ECTS)
Indikationsübergreifende Diagnostik und Schmerz sowie mindestens ein Indikationsblock von 7 ECTS. [1]
- Stufe IV – Praktische Tätigkeit
Sechs Monate Vollzeit (mindestens 30 Wochenstunden) in einer Reha- oder medizinischen Einrichtung; Teilzeit wird auf Antrag anteilig angerechnet. Abschluss mit einer mündlichen Zertifikatsprüfung anhand eines Fallbeispiels. [1]
Ein ECTS-Punkt entspricht im Modulhandbuch 30 Stunden Arbeitsaufwand. Schriftliche Modulprüfungen gelten mit mindestens 60 Prozent richtiger Antworten als bestanden. [1] Die Zertifikate gelten unbefristet; ein Refresher ist nicht vorgeschrieben. Der DVGS gibt an, dass sie von Leistungsträgern wie Rentenversicherung, GKV-Spitzenverband und Unfallversicherung anerkannt werden. [2]
| Indikation | Inhalte |
|---|---|
| Orthopädie/Rheumatologie/Traumatologie | Medizin/Pathophysiologie 1, Orthopädie 2, MTT 4 ECTS |
| Internistische Erkrankungen | Medizin/Pathophysiologie 1, Kardiologie/Gefäßerkrankungen 4, Diabetes/Adipositas 2 ECTS |
| Psychiatrie/Psychosomatik/Sucht | Medizin/Pathophysiologie 1, Psychiatrie 6 ECTS |
| Onkologie | Medizin/Pathophysiologie 1, Onkologie 6 ECTS |
| Neurologie (Aufbaumodul) | nur nach Orthopädie-Block |
Quelle: DVGS, Modulhandbuch Sport-/Bewegungstherapie, Stand 28.11.2025 [1]
Wer die Kurse anbietet
DVGS und Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) haben im Juli 2025 vereinbart, das Lehrgangswesen des Verbands auf DHfPG und BSA-Akademie zu übertragen. Ab 1. Januar 2027 bietet der DVGS keine eigenen Präsenzlehrgänge mehr an; Inhalte, Zertifikate und Lizenzen verantwortet er weiterhin. [22]
Berufsbezeichnung nicht geschützt
Weil es kein Berufsgesetz gibt, kann sich jede Person „Sporttherapeutin“ oder „Sporttherapeut“ nennen. Entscheidend für die Beschäftigung in Reha, Nachsorge oder Rehasport ist, ob der Abschluss die Anforderungen des jeweiligen Kostenträgers erfüllt. Prüfen Sie vor der Wahl eines Studiengangs, ob er auf das DVGS-Zertifikat angerechnet wird und für welche Indikationen. [1, 8]
Rahmenbedingungen
Reha, Rehasport und Prävention
Wer welche Leistung erbringen darf, regeln Rentenversicherung, Unfallversicherung, BAR und Krankenkassen – jeweils eigenständig.
Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL)
In der medizinischen Rehabilitation dokumentieren die Einrichtungen ihre Therapien nach der Klassifikation therapeutischer Leistungen der Deutschen Rentenversicherung. Verbindlich ist bis Ende 2026 die KTL 2015; die KTL 2025 (7. Auflage) gilt verbindlich für Rehabilitationen mit Entlassung ab dem 1. Januar 2027. Die Daten fließen in die Reha-Qualitätssicherung der Rentenversicherung ein. [6] Leistungen der Sport- und Bewegungstherapie sind vor allem in Kapitel A der KTL erfasst. [8]
Personalanforderungen der Rentenversicherung
Nach Angabe des DVGS berücksichtigen die Personalanforderungen der DRV Bund die Strukturanforderungen für Sport- und Bewegungstherapeuten DVGS vollständig; wer ein DVGS-Weiterbildungszertifikat besitzt, kann in Einrichtungen der DRV Bund Leistungen insbesondere nach Kapitel A der KTL abrechnungsfähig erbringen. [8] Die genauen Anforderungen können je nach Rentenversicherungsträger und Indikation abweichen; maßgeblich sind die Vorgaben des belegenden Trägers.
Nachsorge: T-RENA
Die Rentenversicherung erbringt im Anschluss an eine Rehabilitation Nachsorgeleistungen, wenn sie zur Sicherung des Reha-Erfolgs erforderlich sind. [10] Für die trainingstherapeutische Reha-Nachsorge T-RENA müssen Anbieter seit dem 1. Januar 2026 mindestens zwei Sport- oder Bewegungstherapeutinnen bzw. -therapeuten vorhalten: Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit Schwerpunkt Rehabilitation und MTT-Kurs (100 UE) oder Absolventinnen und Absolventen mit Schwerpunkt Sport, Bewegung oder Gesundheit bzw. Sport- und Gymnastiklehrkräfte mit DVGS-Zusatzqualifikation für Orthopädie (etwa 150 UE MTT). [9]
Unfallversicherung: Erweiterte Ambulante Physiotherapie
Für die Erweiterte Ambulante Physiotherapie (EAP) der gesetzlichen Unfallversicherung lässt die DGUV seit dem 1. Januar 2026 auch Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit Bachelorabschluss im Team zu; bis dahin war ein mindestens vierjähriges Studium mit DVGS-Zusatzqualifikation erforderlich. Verlangt werden zusätzlich eine medizinisch-rehabilitative Qualifikation, mindestens zwei Jahre Vollzeiterfahrung in einer Reha-Einrichtung mit MTT und eine MTT-Fortbildung von mindestens 100 UE. Nichtakademische Sport- und Gymnastiklehrkräfte bleiben ausgeschlossen. [17]
Rehabilitationssport und Funktionstraining
Rehabilitationssport und Funktionstraining sind ergänzende Leistungen zur Rehabilitation nach § 64 Abs. 1 Nr. 3 und 4 SGB IX. [11] Die Einzelheiten regelt die Rahmenvereinbarung der BAR, die seit dem 1. Januar 2022 gilt. Rehasport leiten Übungsleiterinnen und Übungsleiter mit einem besonderen Qualifikationsnachweis, der mit den Rehabilitationsträgern abgestimmt ist. Funktionstraining leiten vor allem Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten; andere Therapeutinnen und Therapeuten mit vergleichbarer Ausbildung sowie Übungsleitungen mit Rehasport-Qualifikation Orthopädie sind ebenfalls möglich. [12] Die Krankenkassen tragen als Richtwert 50 Übungseinheiten in 18 Monaten, bei Herzgruppen 90 Einheiten in 24 Monaten. [12]
| Abschluss | Anerkennung |
|---|---|
| Diplom-Sportwissenschaft, Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation | in den meisten Bereichen anerkannt; Sensorik nach Einzelfallprüfung |
| Bachelor/Master Sportwissenschaft | für Grundlagen anerkannt; weitere Bereiche nach Einzelfallprüfung |
| DVGS-Zertifikate | je nach Indikation, z. B. Orthopädie-Zertifikat für Grundlagen und Orthopädie |
| Physiotherapie | nur über Sonderlehrgänge (Grundlagen mindestens 36 LE) |
Quelle: BAR, Qualifikationsanforderungen Übungsleiter/-in Rehabilitationssport [13]
Die Qualifikationsnachweise sind bei Herzgruppenleitungen auf zwei Jahre, sonst auf vier Jahre befristet; zur Verlängerung sind Fortbildungen von 15 Lerneinheiten nachzuweisen. [13]
Präventionskurse nach § 20 SGB V
Krankenkassen bezuschussen zertifizierte Präventionskurse, deren Anforderungen der Leitfaden Prävention festlegt (Fassung vom 17.12.2025). [14] Kursleitungen im Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten brauchen einen staatlich anerkannten, handlungsfeldbezogenen Berufs- oder Studienabschluss, müssen fachliche Mindeststandards nachweisen und für bestimmte Verfahren oder Konzepte eine Einweisung haben. Geprüft wird durch die Zentrale Prüfstelle Prävention. [16] Mindestens 60 Prozent der Mindeststandards müssen aus staatlich anerkannten Ausbildungen oder Studiengängen stammen, bis zu 40 Prozent können aus Weiterbildungen kommen. [15]
Gehalt
Gehalt und Verdienstmöglichkeiten
Ein eigener Tarifwert oder ein belastbarer Statistikwert für den Beruf liegt nicht vor; das Gehalt hängt stark von Träger und Qualifikation ab.
Für Sport- und Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten nennt DocJob24 keinen Medianwert aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, weil sich der Beruf keiner Berufsgattung der Klassifikation der Berufe eindeutig und belegt zuordnen ließ. Werte benachbarter Berufe wie der Physiotherapie sind nicht übertragbar.
Tarifverträge
Die Entgeltordnung zum TVöD (VKA) enthält in Teil B Abschnitt XI „Beschäftigte in Gesundheitsberufen“ eigene Tätigkeitsmerkmale etwa für Physio- und Ergotherapie, aber keine für Sport- oder Bewegungstherapie. [21] In tarifgebundenen kommunalen Kliniken richtet sich die Eingruppierung daher nach den allgemeinen Merkmalen und der konkreten Tätigkeit. Viele Reha-Kliniken gehören privaten oder freigemeinnützigen Trägern mit Haustarifen, kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien oder individuellen Verträgen. Fragen Sie bei Bewerbungen nach Tarifbindung, Entgeltgruppe und Stufe.
Was das Gehalt beeinflusst
- Träger und Tarifbindung: öffentlicher Dienst, Kirche, privater Klinikkonzern, Verein oder Studio
- Abschluss: Bachelor oder Master, Diplom; manche Leistungen setzen einen bestimmten Studienabschluss voraus
- Zusatzqualifikationen, mit denen Leistungen abrechenbar werden, etwa DVGS-Zertifikat, MTT oder Übungsleiterlizenz
- Beschäftigungsumfang: Rehasport und Präventionskurse werden oft auf Honorarbasis oder in Teilzeit vergeben
- Leitungsaufgaben, etwa für eine Therapieabteilung
Honorartätigkeit
Wer Kurse auf Honorarbasis leitet, sollte die sozialversicherungsrechtliche Einordnung klären lassen; maßgeblich ist die tatsächliche Ausgestaltung der Tätigkeit.
Weiterbildung
Karriere und Weiterbildung
Zusätzliche Indikationen, MTT und Lizenzen erweitern das Spektrum abrechenbarer Leistungen.
Indikationszertifikate und MTT
Wer das DVGS-Zertifikat für eine Indikation erworben hat, kann weitere Indikationen ergänzen, etwa Psychiatrie oder Onkologie, sowie Aufbaumodule zu Neurologie, COPD, Depression oder Long-/Post-COVID. [1] Für Medizinische Trainingstherapie verlangen Kostenträger je nach Leistung zusätzliche Nachweise: Für die MTT-Qualifikation nennt das Modulhandbuch 12 Monate Tätigkeit in einer Einrichtung mit MTT-Bereich, je nach Kostenträger auch bis zu 24 Monate. [1] Für T-RENA und EAP werden MTT-Kurse von 100 UE bzw. die MTT-Anteile des DVGS-Zertifikats gefordert. [9, 17]
Lizenzen für Rehasport und Prävention
Für Rehabilitationssport bieten mehrere Verbände Übungsleiterlizenzen an, darunter der Deutsche Behindertensportverband mit dem DOSB („Übungsleiter/-in B Sport in der Rehabilitation“), die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) und der DVGS. [13] Für Präventionskurse ist je nach Kurskonzept eine Programm- oder Verfahrenseinweisung nötig. [16]
Studium und Leitung
Ein Masterstudium in Sporttherapie, Rehabilitation oder Gesundheitswissenschaften öffnet Wege in Leitung, Forschung und Lehre. Für die EAP lag die Hürde bis Ende 2025 bei einem mindestens vierjährigen Studium. [17] In größeren Reha-Kliniken übernehmen erfahrene Fachkräfte die Leitung der Sport- und Bewegungstherapie oder einer gemeinsamen Therapieabteilung. Fachlich naheliegend sind auch Aufgaben im Gesundheitsmanagement, etwa in der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Arbeitsmarkt
Arbeitsorte und Arbeitsmarkt
Schwerpunkt ist die Rehabilitation; amtliche Arbeitsmarktzahlen speziell für den Beruf fehlen.
Wo Sporttherapeuten arbeiten
- Reha-Kliniken
- Stationäre und ambulante medizinische Rehabilitation von Rentenversicherung, Unfallversicherung und Krankenkassen – der klassische Arbeitsort. [4]
- Nachsorgezentren
- IRENA und T-RENA der Rentenversicherung, ambulant oder digital. [4]
- Psychiatrie und Psychosomatik
- Bewegungstherapie als Teil psychosozialer Therapien; die DGPPN-Leitlinie 2025 bezieht sich auf die DVGS-Definition. [18]
- Onkologie
- Kliniken und Programme nach Selektivverträgen der Krankenkassen. [4]
- Herzsport- und Rehasportgruppen
- Meist in Vereinen, häufig in Teilzeit oder auf Honorarbasis; Herzgruppen mit ärztlicher Betreuung. [12]
- Prävention
- Präventionskurse, betriebliche Gesundheitsförderung, Pflegeeinrichtungen. [4]
Was sich über den Arbeitsmarkt sagen lässt
Amtliche Kennzahlen, die sich eindeutig der Sport- und Bewegungstherapie zuordnen lassen – etwa zu Beschäftigten, Engpass oder Arbeitslosigkeit –, konnte DocJob24 nicht ermitteln. Belastbare Aussagen über die Nachfrage sind daher nicht möglich. Erkennbar ist, dass Kostenträger den Zugang für sportwissenschaftliche Abschlüsse zuletzt erweitert haben: Seit 2026 sind Bachelorabsolventinnen und -absolventen in der EAP zugelassen, und für T-RENA genügen nun zwei qualifizierte Sport- und Bewegungstherapeutinnen bzw. -therapeuten. [17, 9]
Entwicklungen
- Ab 2027 dokumentieren Reha-Einrichtungen nach der KTL 2025. [6]
- Die DRV Bund hat ihren Praxisleitfaden zur Bewegungstherapie im September 2026 aktualisiert. [7, 8]
- Die DVGS-Lehrgänge laufen ab 2027 über DHfPG und BSA-Akademie. [22]
- Digitale und hybride Angebote gewinnen an Bedeutung, etwa digitale Nachsorge. [4]
Eignung
Für wen eignet sich der Beruf?
Therapeutische Arbeit mit Bewegung verlangt sportliche, medizinische und pädagogische Kompetenz.
Interessen
Sie interessieren sich für Sport, Trainingslehre und Medizin und möchten mit Menschen arbeiten, die durch Krankheit, Operation oder psychische Belastung eingeschränkt sind – nicht mit Leistungssportlerinnen und -sportlern.
Fähigkeiten im Alltag
Sie können Belastung sicher dosieren, Gruppen anleiten und motivieren, Warnzeichen erkennen und Übungen an unterschiedliche Leistungsniveaus anpassen. Eigene sportliche Praxis ist im Studium meist Voraussetzung.
Realistisch zu erwarten
Viel Gruppenarbeit, teils Abend- und Honorartermine, ein Beruf ohne staatliche Erlaubnis und mit Zusatzqualifikationen als Schlüssel für abrechenbare Leistungen.
Ein Praktikum in einer Reha-Klinik oder einer Rehasportgruppe zeigt, ob Ihnen die therapeutische Arbeit liegt. Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit unterstützt bei der Studienwahl.
Zugang und Wechsel
Zugang, Anerkennung und beruflicher Wechsel
Ohne Berufsgesetz entscheidet die Qualifikation gegenüber Kostenträgern über die Einsatzmöglichkeiten.
- Einstieg über das Studium
- Bachelor in Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Prävention/Rehabilitation oder Sporttherapie, idealerweise mit integrierten DVGS-Modulen. [1]
- Aus Physiotherapie oder Sportlehrerberuf
- Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrkräfte können unter Voraussetzungen zum DVGS-Zertifikat zugelassen werden. [1]
- Berufserfahrene ohne Zertifikat
- Der DVGS bietet eine Anerkennungsprüfung an (schriftlich und mündlich), in der Regel nach mindestens fünf Jahren Vollzeittätigkeit in der Rehabilitation. [1] Für Beschäftigte und Einrichtungen der DRV Bund gibt es ein Anerkennungsverfahren des Verbands. [8]
- Ausländischer Abschluss
- Eine staatliche Berufserlaubnis ist nicht nötig; ob der Abschluss für eine bestimmte Leistung reicht, entscheidet der Kostenträger. Für das DVGS-Zertifikat werden bei Abschlüssen ausländischer Hochschulen Deutschkenntnisse auf Niveau B2 verlangt. [1]
Anerkennungs-Finder: Informationen zu ausländischen Abschlüssen
Häufige Fragen
Häufige Fragen zum Beruf
Kurz beantwortet – ausführlicher in den Abschnitten oben.
Wie wird man Sporttherapeutin oder Sporttherapeut?
Üblich ist ein Bachelorstudium der Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Prävention/Rehabilitation oder Sporttherapie mit 6 bis 8 Semestern Regelstudienzeit. [5] Für die Arbeit in der Rehabilitation wird häufig zusätzlich das Zertifikat Sport-/Bewegungstherapie des DVGS verlangt, das in manche Studiengänge integriert ist. [1, 8]
Ist Sporttherapeut eine geschützte Berufsbezeichnung?
Nein. Es gibt kein Berufsgesetz und keine staatliche Prüfung. Welche Qualifikation für eine Leistung nötig ist, legen Rentenversicherung, Unfallversicherung, BAR und Krankenkassen fest. Prüfen Sie deshalb vor dem Studium, welche Abschlüsse und Zertifikate im angestrebten Arbeitsfeld anerkannt werden.
Wie umfangreich ist das DVGS-Zertifikat?
Es umfasst nach der Zulassung 10 ECTS Grundlagen, 10 ECTS Spezialisierung mit mindestens einem Indikationsblock von 7 ECTS sowie sechs Monate praktische Tätigkeit in Vollzeit; ein ECTS-Punkt entspricht 30 Stunden. Abschluss ist eine mündliche Zertifikatsprüfung. [1]
Was ist der Unterschied zur Physiotherapie?
Physiotherapie ist ein staatlich geregelter Gesundheitsfachberuf; nur mit Berufserlaubnis ist eine Zulassung als Heilmittelerbringer möglich. [19] Gerätegestützte Krankengymnastik zulasten der Krankenkassen erbringen Physiotherapeutinnen und -therapeuten mit Zusatzweiterbildung. [20] Sport- und Bewegungstherapie wird dagegen vor allem in Reha, Nachsorge, Rehasport und Prävention finanziert.
Darf ich als Sportwissenschaftler Rehasport leiten?
Rehasport leiten Übungsleitungen mit einem von den Rehabilitationsträgern anerkannten Qualifikationsnachweis. Ein Bachelor in Sportwissenschaft wird für die Grundlagen anerkannt, für einzelne Indikationsbereiche nach Einzelfallprüfung; DVGS-Zertifikate werden je nach Indikation angerechnet. [12, 13]
Was verdienen Sporttherapeuten?
Einen eigenen, belastbaren Medianwert gibt es nicht, und die Entgeltordnung zum TVöD (VKA) enthält kein eigenes Tätigkeitsmerkmal für Sport- und Bewegungstherapie. [21] Das Gehalt hängt von Träger, Tarifbindung, Abschluss und Zusatzqualifikationen ab.
Wo arbeiten Sport- und Bewegungstherapeuten?
Vor allem in stationären und ambulanten Reha-Einrichtungen, in der Reha-Nachsorge, in Psychiatrie und Psychosomatik, in onkologischen Programmen, in Rehasport- und Herzsportgruppen sowie in der Prävention. [4]
Stellenangebote
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Verwandte Berufe im Verzeichnis
Quellen
Stand aller Angaben: 22. Oktober 2026. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Rechtsvorschriften, Tarifverträge und Regelungen der zuständigen Stellen.
22 Quellen
- Modulhandbuch Sport-/Bewegungstherapie DVGS (Sport-/Bewegungstherapie 2.0), Stand 28.11.2025, mit Zulassungs- und Prüfungsordnung vom 11.04.2024. Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Weiterbildungszertifikate Sport-/Bewegungstherapie. DVGS e. V., abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sport-/Bewegungstherapie (Definition und Rahmen). DVGS e. V., abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Versorgungsbereiche der Sport-/Bewegungstherapie. DVGS e. V., abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Musterrechtsverordnung gemäß Artikel 4 Absätze 1–4 Studienakkreditierungsstaatsvertrag, §§ 3 und 8. Kultusministerkonferenz, Beschluss vom 07.12.2017, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Klassifikationen und Dokumentationshilfen: Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL 2015 und KTL 2025). Deutsche Rentenversicherung, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Praxisleitfaden „Bewegungstherapie in der medizinischen Rehabilitation“, Stand 03.09.2026. Deutsche Rentenversicherung Bund, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Aktualisierung Praxisleitfaden Bewegungstherapie der DRV Bund. DVGS e. V., September 2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Fachkonzept T-RENA durch die DRV Bund zum 01.01.2026 aktualisiert. DVGS e. V., abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Sechstes Buch (SGB VI), § 17 Leistungen zur Nachsorge. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX), § 64 Ergänzende Leistungen. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining vom 01.01.2022 (Stand 26.11.2021). Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Qualifikationsanforderungen Übungsleiter/-in Rehabilitationssport, gültig ab 01.01.2020. Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Leitfaden Prävention: Handlungsfelder und Kriterien nach § 20 Abs. 2 SGB V (Fassung vom 17.12.2025). GKV-Spitzenverband, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- FAQ zu den fachlichen Mindeststandards der Anbieterqualifikation in der individuellen verhaltensbezogenen Prävention (Kapitel 5 Leitfaden Prävention). GKV-Spitzenverband, Stand laut Dateiname 12.12.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Qualifikationen als Kursleitung anerkennen lassen. Zentrale Prüfstelle Prävention, Stand 16.01.2026, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Neue Anforderungen der DGUV ab 01.01.2026: Bachelor mit therapeutischer Zusatzqualifikation DVGS werden zugelassen zur EAP. DVGS e. V., zum DGUV-Rundschreiben vom 04.11.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- DGPPN-S3-Leitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen“ 2025 verweist vollumfänglich auf die DVGS-Definition zur Sport-/Bewegungstherapie. DVGS e. V., zur Leitlinie der DGPPN vom 15.12.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 124 Zulassung. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Anlage 7 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V: Weiterbildung (KG-Gerät, KPE/MLD, Manuelle Therapie), Fassung vom 13.04.2026, in Kraft seit 01.06.2026. GKV-Spitzenverband, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- TVöD – Anlage 1 Entgeltordnung (VKA), Teil B Abschnitt XI „Beschäftigte in Gesundheitsberufen“. Lesefassung, veröffentlicht vom dbb beamtenbund und tarifunion, 2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- DVGS und DHfPG vertiefen ihre Partnerschaft: Übertragung des Lehrgangswesens. DVGS e. V., 21.07.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle