Berufsprofil · Gesundheitshandwerk
Orthopädieschuhmacherin / Orthopädieschuhmacher. Aufgaben, Ausbildung, Gehalt.
Orthopädieschuhmacherinnen und Orthopädieschuhmacher fertigen orthopädische Maßschuhe, Einlagen, Schuhzurichtungen und Orthesen für Menschen mit Fuß- und Beinerkrankungen und passen sie an. Der Beruf ist ein zulassungspflichtiges Gesundheitshandwerk und wird in einer dreieinhalbjährigen dualen Ausbildung nach der OrthopschuhmAusbV von 2015 erlernt.
- Ausbildung
- 3,5 Jahre, dualBetrieb und Berufsschule
- Zugang
- Kein Abschluss vorgeschriebenAuswahl durch den Ausbildungsbetrieb
- Abschluss
- GesellenprüfungHandwerk, gestreckt in Teil 1 und 2
- Ausbildungsvergütung
- mind. 724 €brutto, 1. Jahr, gesetzl. Untergrenze 2026
- Neue Verträge
- 237Ausbildungsverträge 2025 (BIBB)
- Selbstständigkeit
- Meisterpflichtzulassungspflichtiges Handwerk (HwO)
Stand: 22. Oktober 2026 · alle Angaben mit Quellen

Überblick
Der Beruf im Überblick
Orthopädieschuhmacherinnen und Orthopädieschuhmacher stellen individuelle Hilfsmittel für Fuß und Unterschenkel her – meist auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung.
Orthopädieschuhmacherinnen und Orthopädieschuhmacher versorgen Menschen mit Fehlstellungen, Erkrankungen oder Verletzungen von Fuß und Bein mit orthopädieschuhtechnischen Hilfsmitteln. Dazu gehören orthopädische Maßschuhe, Einlagen und Innenschuhe, orthopädische Zurichtungen an Konfektionsschuhen, Unterschenkel- und Fußorthesen sowie Fußprothesen. Hinzu kommen das Anmessen und Anpassen konfektionierter Schuhe, Bandagen, Orthesen und Kompressionsversorgungen. [1]
Der Beruf ist ein zulassungspflichtiges Handwerk (Anlage A Nr. 36 der Handwerksordnung) und gehört mit Augenoptik, Hörakustik, Orthopädietechnik und Zahntechnik zu den Gesundheitshandwerken. [3] Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre; seit 1. August 2015 gilt die Orthopädieschuhmacherausbildungsverordnung (OrthopschuhmAusbV), die die Verordnung von 1999 abgelöst hat. [1] Zuständig für Ausbildung und Prüfung sind die Handwerkskammern. [2]
Typische Einsatzorte
- Betriebe der Orthopädieschuhtechnik mit Werkstatt und Versorgungsräumen
- Sanitätshäuser und Orthopädietechnik-Betriebe mit eigener Schuhtechnik
- Filialen und Werkstätten größerer Versorgungsunternehmen, teils mit Sprechstunden in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen
- Hersteller von Einlagen, Halbfabrikaten und orthopädischen Schuhen
Abgrenzung zu Orthopädietechnik und Podologie
Orthopädieschuhtechnik und Orthopädietechnik sind zwei eigene Handwerke mit eigener Ausbildung und Meisterprüfung (Anlage A Nr. 35 und 36). [3] Orthopädietechnik-Mechanikerinnen und -Mechaniker fertigen vor allem Prothesen, Orthesen und Rehabilitationshilfsmittel für den ganzen Körper; die Orthopädieschuhtechnik konzentriert sich auf Fuß, Schuh und Unterschenkel. Überschneidungen gibt es bei Unterschenkelorthesen, Fußprothesen und konfektionierten Bandagen. [1]
Podologinnen und Podologen behandeln dagegen Haut und Nägel des Fußes; ihre Berufsbezeichnung – ebenso wie „Medizinische Fußpflegerin“ und „Medizinischer Fußpfleger“ – setzt eine staatliche Erlaubnis nach dem Podologengesetz voraus. [11] Die Ausbildungsordnung der Orthopädieschuhtechnik enthält zwar die Position „Medizinische Fußpflegemaßnahmen durchführen“, eine Erlaubnis zum Führen dieser geschützten Bezeichnungen ergibt sich daraus aber nicht. [1, 11] Bei Menschen mit Diabetes und Nervenschäden arbeiten beide Berufe oft Hand in Hand: Die Podologie behandelt Hornhaut und Nägel, die Orthopädieschuhtechnik sorgt mit Einlagen und Schuhen für Druckentlastung.
Was den Beruf ausmacht
Medizinisches Grundwissen
Anatomie, Physiologie und Pathologie der Stütz- und Bewegungsorgane zu beurteilen ist die erste Berufsbildposition der Ausbildung und Teil der Gesellenprüfung. [1]
Handwerk am Einzelstück
Jeder Maßschuh entsteht nach Maß, Abdruck und Leisten für eine bestimmte Person. Die Gesellenprüfung verlangt ein ganzes Paar orthopädischer Maßschuhe. [1]
Aufgaben
Aufgaben und Arbeitsalltag
Der Arbeitstag verbindet Versorgung und Beratung im Kontakt mit Patientinnen und Patienten mit der Fertigung in der Werkstatt.
Versorgung und Beratung
- Befunde an Fuß und Bein beurteilen, ärztliche Verordnung auswerten
- Füße und Beine anmessen, Trittspuren und Abdrücke nehmen, Abformungen herstellen
- Patientinnen, Patienten und Angehörige zu Hilfsmitteln, Wirkungsweise und Gebrauch beraten
- Hilfsmittel anprobieren, anpassen und nachkontrollieren
- Konfektionierte Schuhe, Bandagen, Orthesen und Kompressionsversorgungen anmessen und anpassen
Werkstatt und Fertigung
- Leisten und Modelle entwickeln, Positivmodelle herstellen und bearbeiten
- Orthopädische Maßschuhe herstellen und instand setzen: Schaft vorbereiten, aufzwicken, Versteifungen und Böden fertigen
- Einlagen, Innenschuhe, Unterschenkel- und Fußorthesen sowie Fußprothesen anfertigen
- Konfektionsschuhe mit orthopädischen Zurichtungen versehen, etwa Abrollhilfen oder Schuherhöhungen
- Qualität sichern, Arbeitsabläufe planen und Vorschriften anwenden
Quelle: Ausbildungsberufsbild und Prüfungsanforderungen der OrthopschuhmAusbV [1]
Arbeitsumgebung und Arbeitszeit
Gearbeitet wird im Wechsel zwischen Versorgungsraum und Werkstatt: an Fräs- und Schleifmaschinen, Klebe- und Nähplätzen, Tiefzieh- und Wärmegeräten sowie zunehmend an Scannern und Software zur Einlagenkonstruktion. Die Arbeitszeiten richten sich nach Betrieb und Öffnungszeiten; Termine mit Patientinnen und Patienten liegen überwiegend tagsüber. Ein Teil der Betriebe versorgt auch in Pflegeeinrichtungen, Kliniken oder zu Hause.
Zusammenarbeit
Grundlage der Kassenversorgung ist in der Regel eine ärztliche Verordnung, häufig aus Orthopädie, Diabetologie oder Neurologie. Abgestimmt wird außerdem mit Podologie, Physiotherapie, Pflege und – bei kombinierten Versorgungen – mit der Orthopädietechnik. Den Kostenvoranschlag und die Abrechnung gegenüber der Krankenkasse übernimmt der Betrieb.
Verantwortung und Belastungen
Ein schlecht sitzender Schuh kann bei gestörter Sensibilität Druckstellen und Wunden verursachen; Passform und Kontrolle haben deshalb hohes Gewicht. Die Arbeit verbindet Kundenkontakt mit körperlicher Werkstattarbeit, Staub, Lärm und Klebstoffen. Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz sind Ausbildungs- und Prüfungsinhalt. [1]
Hilfsmittelversorgung: Was rechtlich gilt
Gesetzlich Versicherte erhalten Hilfsmittel nur von Leistungserbringern, die einen Vertrag mit ihrer Krankenkasse nach § 127 SGB V haben. Vertragspartner kann nur sein, wer eine ausreichende, zweckmäßige und funktionsgerechte Herstellung, Abgabe und Anpassung gewährleistet; nachgewiesen wird das in der Regel über ein höchstens fünf Jahre gültiges Zertifikat einer Präqualifizierungsstelle. [7] Die Krankenkassen schließen Verträge mit Betrieben oder Verbänden, denen andere Betriebe zu gleichen Bedingungen beitreten können; die Verträge müssen mindestens die Qualitätsanforderungen des Hilfsmittelverzeichnisses erfüllen. Vor der Abgabe ist die Beratung zu dokumentieren und von den Versicherten zu unterschreiben; über selbst zu tragende Mehrkosten ist vorher zu informieren. [8]
Orthopädische Maßschuhe und individuell nach ärztlicher Verordnung gefertigte Einlagen sind in der Regel Sonderanfertigungen im Sinne der EU-Medizinprodukteverordnung: Sie werden für eine bestimmte Person nach schriftlicher Verordnung hergestellt. Dafür gelten ein eigenes Konformitätsbewertungsverfahren, eine Herstellererklärung und Dokumentationspflichten. [9, 10] Maßgeblich sind im Einzelfall die Verträge der Krankenkassen und die Vorgaben der zuständigen Behörden.
Ausbildung
Ausbildung und Gesellenprüfung
Dreieinhalb Jahre dual nach der OrthopschuhmAusbV von 2015, mit gestreckter Gesellenprüfung vor dem Prüfungsausschuss des Handwerks.
- Rechtsgrundlage
- Orthopädieschuhmacherausbildungsverordnung (OrthopschuhmAusbV), in Kraft seit 01.08.2015; sie ersetzt die Verordnung vom 21.04.1999. [1]
- Dauer
- 3,5 Jahre. [1]
- Lernorte
- Ausbildungsbetrieb und Berufsschule; vermittelt werden 12 berufsprofilgebende und 9 integrative Berufsbildpositionen. [1]
- Zuständige Stelle
- Handwerkskammer: Sie trägt das Ausbildungsverhältnis in die Lehrlingsrolle ein und errichtet die Gesellenprüfungsausschüsse. [2]
- Abschluss
- Gesellenprüfung im Orthopädieschuhmacher-Handwerk, gestreckt in Teil 1 und Teil 2. [1]
Die berufsprofilgebenden Positionen reichen von Anatomie und Pathologie über Werk- und Hilfsstoffe, Anmessen, Beratung und Modellbau bis zu Maßschuhen, orthopädischen Elementen, Schuhzurichtungen, Einlagen, Orthesen und Fußprothesen, medizinischen Fußpflegemaßnahmen sowie dem Anpassen konfektionierter Bandagen, Kompressionsversorgungen und Schuhe. Integrativ vermittelt werden unter anderem Arbeitsschutz, Umweltschutz, Verkauf, Kommunikation und Qualitätssicherung. [1]
Gesellenprüfung
- Teil 1 (Ende des 2. Ausbildungsjahres): Planung und Anfertigung von orthopädischen Schuhzurichtungen
Geprüft werden die Inhalte der ersten drei Ausbildungshalbjahre einschließlich des passenden Berufsschulstoffs. Gewicht 25 Prozent. [1]
- Teil 2: Anfertigung von orthopädieschuhtechnischen Hilfsmitteln
Prüfungsstück in zwölf Stunden: ein Paar orthopädischer Maßschuhe, davon mindestens einer für eine Beinlängendifferenz ab 3,5 Zentimetern, eine Peronaeusversorgung oder mit knöchelübergreifender Versteifung; vorab sind Werkzeichnung und Arbeitsbeschreibung einzureichen. Dazu eine Arbeitsaufgabe in vier Stunden: eine Sondereinlage nach Indikation über ein Positivmodell, eingepasst in einen Konfektionsschuh. Gewichtung intern 70 zu 30, im Gesamtergebnis 30 Prozent. [1]
- Teil 2: Beratung
Eigener Prüfungsbereich zur Beratung von Kundinnen, Kunden, Patientinnen und Patienten. Gewicht 10 Prozent. [1]
- Teil 2: Orthopädieschuhtechnik
Schriftlich, 180 Minuten: unter anderem Anatomie und Pathologie, Planung und Wirkungsweise von Hilfsmitteln, Berechnungen, Werkstoffe, medizinische Fußpflege, Rechtsvorschriften und Qualitätssicherung. Gewicht 25 Prozent. [1]
- Teil 2: Wirtschafts- und Sozialkunde
Gewicht 10 Prozent. [1]
- Bestehen
Gesamtergebnis, Teil 2 und der Bereich „Anfertigung von orthopädieschuhtechnischen Hilfsmitteln“ jeweils mindestens „ausreichend“, mindestens zwei weitere Bereiche von Teil 2 „ausreichend“, keiner „ungenügend“. Eine mündliche Ergänzungsprüfung von etwa 15 Minuten ist in „Orthopädieschuhtechnik“ oder „Wirtschafts- und Sozialkunde“ möglich. [1]
Schulische Voraussetzungen
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben; die Ausbildungsverordnung enthält keine Zugangsvoraussetzung. [1] In der Praxis entscheidet der Ausbildungsbetrieb. Hilfreich sind handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Grundlagen in Mathematik und Biologie, weil Berechnungen sowie Anatomie und Pathologie zum Prüfungsstoff gehören. [1]
Verkürzung, Teilzeit und Umschulung
- Verkürzung: Auf gemeinsamen Antrag kürzt die Handwerkskammer die Ausbildungszeit, wenn das Ziel in kürzerer Zeit erreichbar ist (§ 27c HwO). [2]
- Vorzeitige Zulassung: Bei entsprechenden Leistungen ist die Zulassung zur Gesellenprüfung vor Ablauf der Ausbildungszeit möglich (§ 37 Abs. 1 HwO). [2]
- Teilzeit: Die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit kann verringert werden; die Ausbildung verlängert sich entsprechend, höchstens auf das Eineinhalbfache (§ 27b HwO). [2]
- Umschulung: Geförderte Umschulungen sind in der Regel um mindestens ein Drittel gegenüber der regulären Ausbildungszeit verkürzt (§ 180 Abs. 4 SGB III). [16]
Ausbildungsvergütung
Auch im Handwerk besteht Anspruch auf eine angemessene, jährlich steigende Vergütung nach § 17 BBiG. [5] Die Höhe ergibt sich aus dem Ausbildungsvertrag oder, bei Tarifbindung, aus dem Tarifvertrag. Als Untergrenze gilt die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung; für Ausbildungen mit Beginn 2026 beträgt sie: [6]
| Ausbildungsjahr | Mindestbetrag |
|---|---|
| 1. Jahr | 724 € |
| 2. Jahr | 854 € |
| 3. Jahr | 977 € |
| 4. Jahr (letztes Halbjahr) | 1.014 € |
Quelle: BIBB, Mindestausbildungsvergütung 2026 [6]. Maßgeblich ist der Ausbildungsvertrag.
Stand der Ausbildungsordnung
Die geltende Verordnung stammt von 2015 und hat die gestreckte Gesellenprüfung eingeführt: Teil 1 fließt mit 25 Prozent in das Endergebnis ein, eine gesonderte Zwischenprüfung gibt es nicht. [1] Eine Ausbildung nach der Verordnung von 1999 ist nicht mehr möglich; sie ist mit Inkrafttreten der neuen Fassung außer Kraft getreten. [1]
Gehalt
Gehalt und Verdienstmöglichkeiten
Löhne werden betrieblich oder tariflich festgelegt; bundesweite Zahlen liefert die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit nur für die übergeordnete Berufsgattung.
Für die Orthopädieschuhtechnik gibt es keinen bundesweit einheitlichen Tarif; ob ein Tarifvertrag gilt, hängt von der Tarifbindung des Betriebs ab. Maßgeblich ist der Arbeitsvertrag. Den wirtschaftlichen Rahmen prägen die Hilfsmittelverträge der Krankenkassen, in denen Preise und Qualitätsanforderungen für Kassenversorgungen vereinbart werden. [8]
Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Berufsgattung 82512 (Orthopädie- und Rehatechnik, Fachkraft), Deutschland [12]
Gehalt berechnen: Orthopädieschuhtechnik nach Tarif, Bundesland und Arbeitszeit
Was die Statistik zeigt
Die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit weist keinen eigenen Wert für Orthopädieschuhmacherinnen und -macher aus, sondern fasst Berufe zu Berufsgattungen zusammen. Als Anhaltspunkt dient die Berufsgattung Orthopädie- und Rehatechnik auf Fachkraftniveau: Hier lag das mittlere Bruttomonatsentgelt (Median) in Vollzeit zum 31.12.2025 bei 3.071 €; ein Viertel verdiente weniger als 2.669 €, ein Viertel mehr als 3.744 €. Grundlage sind 4.557 sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende, Sonderzahlungen sind anteilig enthalten. [12] Über alle Berufe lag der Median bei 4.217 €. [13]
Was der Wert aussagt
Der Median bündelt Fachkräfte verschiedener Gesundheitshandwerke und Betriebsformen bundesweit. Region, Betriebsgröße, Berufserfahrung und Meisterqualifikation bildet er nicht ab; Teilzeitkräfte, Auszubildende und Selbstständige sind nicht enthalten. Ein eigener Wert für Meisterinnen und Meister in der Orthopädieschuhtechnik ist nicht ausgewiesen.
Was das Gehalt beeinflusst
- Qualifikation: Mit der Meisterprüfung sind Betriebsleitung und Selbstständigkeit möglich [2]
- Spezialisierung: Erfahrung mit Maßschuhen, Diabetesversorgung, Orthesen oder digitaler Einlagenfertigung
- Betrieb und Region: Handwerksbetrieb, Sanitätshaus oder Industrie zahlen nach unterschiedlichen Systemen
- Verantwortung: Filial-, Werkstatt- oder Versorgungsleitung
- Arbeitszeit: Bei Teilzeit wird anteilig vergütet
Karriere
Karriere und Weiterbildung
Der zentrale Aufstieg ist die Meisterprüfung; sie ist zugleich Voraussetzung für einen eigenen Betrieb.
Orthopädieschuhmachermeisterin und Orthopädieschuhmachermeister
Die Meisterprüfung im Handwerk besteht aus vier selbstständigen Teilen: meisterhafte Verrichtung der wesentlichen Tätigkeiten (Teil I), fachtheoretische Kenntnisse (Teil II), betriebswirtschaftliche, kaufmännische und rechtliche Kenntnisse (Teil III) sowie berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse (Teil IV). [2] Die Teile I und II regelt die Orthopädieschuhmachermeisterverordnung (OrthSchMstrV), in Kraft seit 1. September 2008. Teil I besteht aus einem Meisterprüfungsprojekt, einem Fachgespräch und einer Situationsaufgabe. [4]
Das Meisterprüfungsberufsbild reicht über die Gesellenebene hinaus: Kundenanforderungen und ärztliche Verordnungen auswerten, Angebote kalkulieren, einen Betrieb organisieren und Lehrlinge ausbilden, orthopädische Messungen und Abformungen auch mit elektronischen Systemen, Fußprothesen und Unterschenkelorthesen, das Anpassen von Orthesen, Bandagen und Kompressionsstrümpfen sowie Endabnahme und Nachkalkulation. [4] Wer die Meisterprüfung bestanden hat, darf zusätzlich die Bezeichnung „Bachelor Professional“ unter Angabe des Handwerks führen. [2]
Selbstständigkeit und Meisterpflicht
Einen eigenen Betrieb der Orthopädieschuhtechnik darf nur führen, wer in die Handwerksrolle eingetragen ist. Dafür muss die Betriebsleitung in der Regel die Meisterprüfung im Orthopädieschuhmacher-Handwerk oder einem verwandten Handwerk bestanden haben; gleichgestellt sind bestimmte Hochschul- und Ingenieurabschlüsse sowie Ausnahmebewilligungen (§§ 7, 8 HwO). [2] Die Ausübungsberechtigung für erfahrene Gesellinnen und Gesellen nach § 7b HwO gilt für die Gesundheitshandwerke der Anlage A Nr. 33 bis 37 – also auch für die Orthopädieschuhtechnik – nicht. [2, 3]
| Weg | Schwerpunkt | Rahmen |
|---|---|---|
| Meisterprüfung im Orthopädieschuhmacher-Handwerk | Meisterhafte Versorgung, Betriebsführung, Ausbildung | Handwerkskammer, Teile I–IV |
| Fachliche Fortbildungen | z. B. Diabetesversorgung, Kompressionsversorgung, digitale Einlagenfertigung, Sport- und Arbeitsschuhe | Innungen, Fachschulen, Hersteller |
| Studium | z. B. Orthopädie- oder Medizintechnik | Hochschule, Zugang nach Landesrecht |
Quellen: HwO [2]; OrthSchMstrV [4]
Studium ohne Abitur
Meisterinnen und Meister im Handwerk erhalten nach dem KMK-Beschluss von 2009 eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Gesellinnen und Gesellen können nach mindestens drei Jahren Berufspraxis in einem fachlich passenden Bereich einen fachgebundenen Zugang erlangen, in der Regel nach Eignungsprüfung oder Probestudium; Einzelheiten regelt das Landesrecht. [15]
Weitere Wege
Mit Erfahrung sind Werkstatt- oder Filialleitungen und die Ausbildung von Lehrlingen möglich. Wer sich auf Prothesen und Orthesen für den ganzen Körper verlegen möchte, findet in der Orthopädietechnik einen verwandten, aber eigenständigen Ausbildungsberuf.
Arbeitsmarkt
Arbeitsmarkt und Jobchancen
Ein kleines Gesundheitshandwerk mit gut 200 neuen Ausbildungsverträgen im Jahr, dessen Rahmen die Hilfsmittelverträge der Krankenkassen prägen.
Quelle: BIBB-Rangliste 2025 [14]
Nachwuchs
Mit 237 neuen Ausbildungsverträgen lag die Orthopädieschuhtechnik 2025 auf Rang 149 der dualen Ausbildungsberufe und damit fünf Plätze höher als im Vorjahr. 56,4 Prozent der neuen Auszubildenden waren Männer, 43,2 Prozent Frauen. In der Orthopädietechnik wurden im selben Jahr 567 Verträge geschlossen. [14] Der Beruf ist damit ein kleines Handwerk mit überschaubarer Zahl an Ausbildungsplätzen.
Wo Orthopädieschuhmacher arbeiten
Hauptarbeitgeber sind Handwerksbetriebe der Orthopädieschuhtechnik, Sanitätshäuser und Versorgungsunternehmen, daneben Hersteller von Einlagen und orthopädischen Halbfabrikaten. Die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit fasst Berufe zu Berufsgattungen zusammen und enthält daher keine gesonderten Beschäftigtenzahlen nur für diesen Beruf. [12]
Entwicklungen
- Hilfsmittelverträge: Für Hilfsmittelversorgungen, die zwischen dem 1. Januar 2027 und dem 31. Dezember 2028 beginnen, dürfen Leistungserbringer nach § 127 Abs. 1b SGB V nur um drei Prozent geminderte Vertragspreise abrechnen. [8]
- Präqualifizierung: Kassenversorgungen setzen den Nachweis der Eignung voraus, in der Regel über befristete Zertifikate akkreditierter Präqualifizierungsstellen. [7]
- Medizinprodukterecht: Für Sonderanfertigungen gelten Konformitätsbewertung, Herstellererklärung und Dokumentationspflichten nach der MDR. [9, 10]
Regionale Stellenangebote zeigen die aktuelle Nachfrage nach Fachkräften am besten.
Eignung
Für wen eignet sich der Beruf?
Gefragt sind handwerkliches Geschick, Interesse am Bewegungsapparat und die Fähigkeit, Menschen verständlich zu beraten.
Interessen
- Handwerk mit Leder, Kunststoff und Maschinen
- Anatomie und Bewegungsapparat
- Kontakt mit Menschen, die auf ein Hilfsmittel angewiesen sind
Fähigkeiten im Alltag
- Handwerkliches Geschick und genaues Arbeiten
- Räumliches Vorstellungsvermögen
- Einfühlungsvermögen und verständliche Beratung
- Sorgfalt bei Dokumentation und Abrechnung
Realistisch zu erwarten
- Wechsel zwischen Werkstatt und Versorgungsraum
- Staub, Lärm und Klebstoffe in der Werkstatt
- Formale Vorgaben der Krankenkassen
- Klarer Aufstiegsweg über die Meisterprüfung
Ein Praktikum in einem Betrieb der Orthopädieschuhtechnik zeigt am schnellsten, ob die Verbindung aus Handwerk, Medizin und Beratung passt. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit unterstützt kostenfrei bei der Berufswahl.
Zugang
Zugang, Anerkennung und beruflicher Wechsel
Neben der Ausbildung führen Externenprüfung, Validierungsverfahren, Umschulung und Anerkennung ausländischer Abschlüsse in den Beruf.
- Einstieg über die Ausbildung
- Der reguläre Weg ist die dreieinhalbjährige duale Ausbildung mit Gesellenprüfung; Bewerbungen richten sich direkt an Betriebe der Orthopädieschuhtechnik und Sanitätshäuser. [1]
- Externenprüfung
- Zur Gesellenprüfung kann auch zugelassen werden, wer mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im Beruf gearbeitet hat; die Handwerkskammer kann darauf ganz oder teilweise verzichten, wenn die berufliche Handlungsfähigkeit glaubhaft gemacht wird (§ 37 Abs. 2 HwO). [2]
- Validierungsverfahren
- Berufserfahrene ohne Berufsabschluss können ihre Kompetenzen von der Handwerkskammer am Maßstab des Ausbildungsberufs feststellen lassen (§ 41b HwO). [2]
- Umschulung
- Eine geförderte Umschulung über Agentur für Arbeit oder Jobcenter ist meist verkürzt (§ 180 Abs. 4 SGB III). [16] Mit einschlägiger Vorbildung, etwa aus dem Schuhmacherhandwerk, kann eine Verkürzung nach § 27c HwO beantragt werden. [2]
- Ausländischer Abschluss
- Eine ausländische Ausbildung steht der Gesellenprüfung gleich, wenn die Handwerkskammer die Gleichwertigkeit festgestellt hat (§ 40a HwO). Für eine Anstellung ist die Anerkennung nicht vorgeschrieben, kann die Bewerbung aber erleichtern; für einen eigenen Betrieb ist die Eintragung in die Handwerksrolle nötig. [2]
Häufige Fragen
Häufige Fragen zum Beruf
Kurz beantwortet – ausführlicher in den Abschnitten oben.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher?
Welchen Schulabschluss braucht man?
Gesetzlich ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Über die Einstellung entscheidet der Ausbildungsbetrieb; Grundlagen in Mathematik und Biologie helfen, weil Berechnungen sowie Anatomie und Pathologie zum Prüfungsstoff gehören. [1]
Was verdient eine Orthopädieschuhmacherin oder ein Orthopädieschuhmacher?
Einen eigenen Statistikwert gibt es nicht. In der Berufsgattung Orthopädie- und Rehatechnik lag der Median für Vollzeitbeschäftigte auf Fachkraftniveau Ende 2025 bei 3.071 € brutto im Monat. Während der Ausbildung gilt mindestens die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, 2026 im ersten Jahr 724 €. [12, 6]
Was ist der Unterschied zum Orthopädietechnik-Mechaniker?
Dürfen Orthopädieschuhmacher medizinische Fußpflege anbieten?
Darf man sich ohne Meister selbstständig machen?
Wie läuft die Versorgung über die Krankenkasse?
Wird ein ausländischer Abschluss anerkannt?
Die Handwerkskammer stellt auf Antrag fest, ob eine ausländische Ausbildung der Gesellenprüfung gleichwertig ist. Für eine Anstellung ist die Anerkennung nicht vorgeschrieben, für einen eigenen Betrieb ist die Eintragung in die Handwerksrolle nötig. [2]
Stellenangebote
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Verwandte Berufe im Verzeichnis
Quellen
Stand aller Angaben: 22. Oktober 2026. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Rechtsvorschriften, Tarifverträge und Regelungen der zuständigen Stellen.
16 Quellen
- Verordnung über die Berufsausbildung zum Orthopädieschuhmacher und zur Orthopädieschuhmacherin (Orthopädieschuhmacherausbildungsverordnung – OrthopschuhmAusbV), in Kraft seit 01.08.2015, insbesondere §§ 2, 4, 7, 8, 10–12, 14, 16, 17. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung – HwO), insbesondere §§ 7, 7b, 8, 27b, 27c, 33, 37, 40a, 41b, 45 und 51. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Handwerksordnung, Anlage A: Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungspflichtige Handwerke betrieben werden können (Nr. 35 Orthopädietechniker, Nr. 36 Orthopädieschuhmacher). Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Verordnung über das Meisterprüfungsberufsbild und über die Prüfungsanforderungen in den Teilen I und II der Meisterprüfung im Orthopädieschuhmacher-Handwerk (Orthopädieschuhmachermeisterverordnung – OrthSchMstrV), in Kraft seit 01.09.2008. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Berufsbildungsgesetz (BBiG), insbesondere § 17. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Mindestausbildungsvergütung 2026 (Pressemitteilung). Bundesinstitut für Berufsbildung, 13.10.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 126 Versorgung durch Vertragspartner. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 127 Verträge. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), insbesondere Art. 2 Nr. 3, Art. 52 Abs. 8 und Anhang XIII. Amtsblatt der Europäischen Union, EUR-Lex, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (MPDG), § 15 Bereitstellen von Sonderanfertigungen auf dem Markt. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Gesetz über den Beruf der Podologin und des Podologen (Podologengesetz – PodG) vom 04.12.2001, zuletzt geändert durch Art. 8 des Gesetzes vom 24.02.2021 (BGBl. I S. 274). Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Entgeltatlas. Bundesagentur für Arbeit, Stichtag 31.12.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Analyse zur Entgeltstatistik. Bundesagentur für Arbeit, Statistik, Oktober 2026 (Stichtag 31.12.2025), abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse in Deutschland (Tabelle 67). Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30.09.2025, Stand 05.12.2025, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Kultusministerkonferenz, Beschluss vom 06.03.2009, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle
- Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III), § 180 Abs. 4. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.10.2026. Zur Quelle